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Auffällig unauffällig: der minimalistische Bühelwirt im Ahrntal

Das Ahrntal steht bei den wenigsten Südtiroltouristen auf der Liste. Dabei hat das Tal nicht nur malerische Wandertouren zu bieten, sondern mit dem Hotel Bühelwirt steht hier auch ein architektonisches Highlight, das allein schon Grund genug ist, um das Tal mal zu besuchen.
Text & FotosJulian Wenzel

Ein Artikel über den Bühelwirt im Ahrntal dürfte eigentlich nicht länger als ein paar Zeilen sein. Denn bei dieser Unterkunft dreht sich alles um Minimalismus. Hier warten kein pompöser Empfang, kein Hirschgeweihkronleuchter, keine sentimentale Alpenfolklore auf die Gäste. Wer hier eincheckt, will sich auf das Wesentliche im Urlaub konzentrieren: Entspannung und die Flucht aus dem Alltag.

Preisgekrönte Architektur

Der Bühelwirt liegt auf dem Dorfhügel von St. Jakob in Südtirol, direkt neben der Kirche und etwas von der Taldurchfahrt entfernt. Seit 1910 kehren hier schon Gäste ein, 2017 kam der auffällig unauffällige Erweiterungsbau dazu. In sechs Geschossen wurden insgesamt 20 neue Zimmer, eine Erweiterung für das Restaurant und ein Wellnessbereich untergebracht. Das klingt nach mächtigem Anbau, fällt aber kaum auf. Das Gebäude fügt sich durch seine schwarze, asymmetrische und den Hügel nachahmende Fassade erstaunlich zurückhaltend in die Landschaft ein. Pedevilla Architects aus Bruneck sind für das Design verantwortlich. Und das hat zu Recht schon mehrere Preise eingefahren – unter anderem den German Design Award 2019.

Zu jedem der neuen Zimmer und Suiten gehört ein außergewöhnlicher Blick auf die Ahrntaler Berge – inszeniert von großen Panoramafenstern, die dank der eingebauten Sitznischen zum Lesen einladen. Das „Innen mit dem Außen in Einklang zu bringen“ – das war das erklärte Ziel der beiden Hoteliers Michaela und Matthias. Ganz klar: Ziel erreicht!

Regionalität rules

Wer mehr vom „Außen“ erleben will, muss aber nicht unbedingt raus. Im Hotel gibt es unzählige Bezüge auf die Region. So erinnern die Lampen aus Kupfer an den im Ahrntal intensiv betrieben Bergbau. Sie ziehen sich als Wiedererkennungsmerkmal durch das gesamte Haus und wurden vom Südtiroler Designer Harry Thaler entworfen. Böden und Möbel sind aus Lärchenholz, das aus den umliegenden Wäldern stammt, und die Uhren wurden direkt im Dorf gefertigt. Mehr Regionalität geht also nicht. Halt, doch! In der Küche. Hier kommen überwiegend lokale Gerichte und Produkte auf den Teller. Man merkt den beiden Hoteliers also die Liebe zur Heimat an. Und die überträgt sich, wenn man hier übernachtet.

Das unterschätzte Ahrntal

Denn irgendwann treibt es einen doch hinaus. Einige Wanderwege starten direkt am Hotel, sei es für eine entspannte Wanderung zur Hollenzalm mit knapp 700 Höhenmeter Aufstieg, oder auf der anderen Talseite in das urige Bärental. Auf jeden Fall lohnt sich ein Ausflug in Richtung Talschluss. Je näher man dem Ende der Straße kommt, desto ruhiger wird es. Und dort beginnt eine der schönsten Wanderungen des Tals: der Aufstieg zum Waldner See – über das beeindruckende Biotop Waldner Moos.

Der Bühelwirt ist die moderne Version eines Wanderhotels: aufs Wesentlich eingekocht, ohne unnötigen Schnickschnack. Für den Winter gibt es zwar einen Skiraum, aber bis zur nächsten Piste sind es ein paar Kilometer. Und als Wellnesshotel spielt er sich gar nicht erst auf. Diesbezüglich herrscht auch eher Minimalismus. Im Neubau ist immerhin eine etwa 15 Quadratmeter große Sauna mit großem Panoramafenster und anschließendem Ruhebereich integriert. Massagen können dazugebucht werden. Genau das richtige Paket nach exzessiven Wanderungen. Mehr gibt es aber nicht. Für Spa-Wochenenden eignet sich der Bühelwirt nur bedingt. Da sind andere Hotels besser darauf spezialisiert. Wer einen Pool vermisst, kann aber in das rund 15 Autominuten entfernte Talschwimmbad „Cascada“: der Eintritt ist für Hotelgäste inklusive. Nach Wellness für den Körper suchen hier sowieso die wenigsten. Das Wellnessprogramm für die Augen ist in diesem Hotel schon entspannend genug.

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