Kronplatz

Ein perfekter Mountainbike Trip durch Südtirol

Gründe für Südtirol? Schönes Wetter, trockene Trails, bestes Panorama, leckeres Essen, günstiger Wein... Die Liste könnte Outville-Autorin Kaddi Kestler noch eine ganze Weile fortführen. Deshalb hat sie einen Mountainbike Trip zusammen gestellt, bei dem man alle Vorzüge des Lieblingslandstrichs vieler Mountainbiker in sechs Tagen erleben kann.
Text & FotosKatharina Kestler

Südtirol ist so etwas wie das gelobte Land für viele Mountainbiker: Warme Temperaturen bis weit in den Herbst, perfekte Bikebedingungen fast das ganze Jahr lang, beste südtiroler Kulinarik auf Berghütten, Panoramablicke auf weltberühmte Gipfel, natürliche Trails und eine gesetzliche Lage, die bikerfreundlicher ist als in Nordtirol. Auch die Südtiroler selbst haben das Potential, das auf ihren Trails liegt, längst erkannt und geben beim Thema Mountainbike Gas. Outville-Autorin Kaddi Kestler hat einen sechstägigen Südtirol-Trip zusammen gestellt, bei dem man alle Vorteile der beliebten Mountainbike-Region erleben kann. 

Villnößtal: Wo alle Messner heißen

Unser Mountainbike-Trip führt uns zuerst ins Villnößtal – manchen vielleicht als Valle di Funes bekannt. Für visuelle Menschen und Instagram-Heavy-User: Es ist das Tal, an dessen Ende eine kleine Kapelle auf einer großen Wiese steht, darüber thronen die Geislerspitzen – Pflichtstation auf dem Europatrip asiatischer Touristen und Ausflugsziel vieler Insta-Sternchen. Das Motiv ist so berühmt, dass die Kapelle von St. Johann auf dem Ranuihof bei St. Magdalena mittlerweile per Drehkreuz abgesperrt ist und Eintritt kostet. 

Die Geislergruppe war der erste alpinistische Spielplatz von Reinhold Messner, der in St. Peter im Villnößtal aufgewachsen ist. Sein Elternhaus steht direkt neben dem Haus unseres Gastgebers, der mit ihm den Nachnamen teilt: Max Messner. Überhaupt heißen hier im Villnößtal alle Messner, erzählt uns Max – auch wenn die meisten nicht miteinander verwandt sind. 

Max haben wir beim Rosadira Bike Festival in Welschnofen kennen gelernt: Eigentlich arbeitet er in der Mautstation in Brixen, seine Leidenschaft ist aber das Mountainbiken. Seit 30 Jahren sitzt er auf dem Rad, seit 15 Jahren ist er Bikeguide, früher ist er selbst bei Rennen angetreten, heute trainiert er den Nachwuchs im Tal. Max war schon viel unterwegs und weiß, was passiert, wenn der Mountainbiketourismus unkontrolliert wächst. Er will sein Tal als Bikespot zwar bekannter machen, aber das Thema dabei steuern, so dass es nicht zu Konfrontationen zwischen Wanderern und Mountainbikern oder Wegsperrungen kommt. 

Mit dem E-MTB um den Peitlerkofel

Als wir gegen elf Uhr bei Max in St. Peter ankommen, hat er nach seiner Nachtschicht im Mauthäusl nur wenige Stunden geschlafen. Weil er am Nachmittag zum Training der Mountainbike-Kids zurück sein will, beschließen wir für die Peitlerkofelumrundung die E-Bikes zu nehmen. Wir strampeln Richtung St. Magdalena, vorbei an der Instagram-Berühmtheit Kapelle von St. Johann, weiter hinauf Richtung Geislerspitzen. An der Geisleralm laden wir die Bikes, gehen aber zum Laden unseres Magens noch ein paar Meter weiter zur kleineren und idyllisch gelegenen Gschnagenhardt Alm, wo uns einer von Max drei Söhnen den Kaiserschmarrn serviert. Der erste Trail mit Stufen, Wurzeln und ein paar technischen Herausforderungen sorgt dafür, dass wir nicht ins Nachmittagstief fallen. Später geht es Richtung Gampenalm, in einem technischen Auf und Ab, so perfekt als wäre der Weg extra fürs E-Bike angelegt. 

Von der Gampenalm ab schrauben wir uns einen Schotterweg hoch Richtung Schlüterhütte und sind spätestens jetzt froh, den E-Support unterm Hintern zu haben. Die Steigung wäre nur für sehr Leidensfähige noch aus eigener Kraft zu ertreten. Vorbei an der Schlüterhütte fahren wir auf einem schmalen Trail, der wieder unsere Bergauf-Skills fordert, dem 2.422 Meter hohen Gipfel des Zendleser Kofels entgegen. Im Winter ist das ein beliebter Skitourenberg, erzählt uns Max. Vielleicht auch wegen der einmaligen Aussicht auf die Bergen der Peitlerkofelgruppe im Norden, zur Geislergruppe und zur Puezgruppe im Süden. 

Wir rollen denselben Gipfelweg wieder hinab, lassen die Schlüterhütte aber rechts liegen und halten uns links Richtung Peitlerkofel. Bisher hatten wir vor allem Waldboden unter den Reifen, jetzt sorgen verblockte Geröll- und Schotterabschnitte für Abwechslung. Nach einem kurzen und technischen Trail geht es auf einem breiten Schotterweg unterhalb des Peitlerkofels entlang, um irgendwann wieder links Richtung Würzjoch abzubiegen. Es folgt das, was beim ambitionierten E-Mountainbiker ganz oben auf der Wunschliste steht: Ein verblockter Trail, der sich gesäumt von großen Findlingen mal auf, mal ab, mal eben Richtung Würzjoch schlängelt. Nur große Bike-Artisten mit maximalem Gleichgewicht, stets dem richtigen Gang, dem Sattel auf einer angenehmen Höhe und einem sehr klugen Pedal-Management kommen hier komplett ohne Absteiger, Aufsetzer oder Einfädler durch. Ich gehöre nicht dazu. 

Am Würzjoch in der Ütia de Börz angekommen, erklärt uns Max den Weg über die Trails zurück nach St. Peter und nimmt selbst die Straße, um rechtzeitig den MTB-Trainer geben zu können. Wir laden die Akkus und genießen die Nachmittagssonne auf der Terrasse mit Blick auf den Peitlerkofel – fast eine Spur zu lange, wie sich später herausstellt, denn dass wir nach so einem abwechslungsreichen Tag noch eine derart lange Single-Trail-Abfahrt vor uns haben, hätten wir nicht gedacht. 

Der schmale Wiesenweg startet links von der Passstraße und führt bald in den Wald, über romantische, ruhige Lichtungen und durch ein Bachbett auf einen breiten Schotterweg. Diesem folgen wir lange, bis wir wieder auf einen Trail gelangen, der uns mit kurzen Unterbrechungen auf Schotterwegen und Straße direkt hinter Max Haus in St. Peter ausspuckt. 

Erst um elf Uhr starten, trotzdem noch 2.200 Meter hochtreten, sie fast ausschließlich auf Trails abfahren und am Ende des Tages 50 Kilometer auf dem Tacho – für solche Tage wurden E-Bikes erfunden! 

Tipp: Der Peitlerkofel ist ein sehr beliebter Ausflugsberg. Wer die Trails dort stressfrei genießen will, sollte es außerhalb der Ferienzeit tun!

Bikeparkrunden an der Plose 

Am zweiten Tag fahren wir ohne E-Unterstützung hinter Max Heimat St. Peter den Berg hinauf: Ziel für heute ist die Plose und Brixen. Seit 2012 gastiert dort das MOUNTAINBIKE Testival, Brixen ist außerdem Etappenort der BIKE und TOUR Transalp. Nach ein paar hundert Höhenmetern auf der Straße kommen wir auf einen Schotterweg, von dem bald ein Trail abzweigt, der uns in Richtung des Skibergs mit der sanften, 2.486 Meter hohen Kuppe bringen soll. Der Waldweg ist schmal, das Holzgeländer auf der einen und die Felsen auf der anderen Seite kommen unseren breiten Lenkern gefährlich nahe, so dass gelegentliches Absteigen sinnvoll ist, will man seine zehn Finger behalten. Dennoch bringt uns der Trail in einer guten Mischung aus Flow und technischem Anspruch ein gutes Stück Richtung Plose. Das letzte Stück bis zur Talstation fahren wir auf der Straße, zwar kommen links und rechts eine Menge vielversprechender Trails aus dem Wald, aber wir wollen uns den Uphill sparen, der ihnen folgen würde und heben sie uns für später auf. 

Wir kaufen uns ein Tagesticket für 34 Euro und fahren mit der Plose Kabinenbahn hinauf. Der Plose Bikepark besteht aus vier Trails. Drei davon enden beim Palmschloss Sessellift, mit dem man wieder zur Bergstation gelangt: die einfache Jerry Line, eine Murmelbahn für die ganze Familie, die ebenfalls einfache und flowige Hammer Line mit einigen Sprüngen und die anspruchsvollere Palm Pro Line. Die ebenfalls etwas schwierigere und knapp sieben Kilometer lange Sky Line mit fast 1.000 Metern Höhendifferenz erlaubt den Ausblick auf Brixen und endet an der Kabinenbahn von St. Andrä. 

Wir sind ausgerechnet in der Ferragostowoche in Südtirol unterwegs – die Zeit rund um Maria Himmelfahrt ist in Italien fast wie ein staatlich verordneter Urlaub zu betrachten. Trotzdem tummelt es sich nur rund um die Bergstation, im Bikepark geht es entspannt zu. Nach ein paar Runden, kennen wir alle Trails und freuen uns, auf einem natürlichen Trail Richtung Brixen starten zu können. Der Anspruch an unser Fahrkönnen steigt um 50 Prozent, unser Spaß auch. Auf Trails, die nur ein Local findet und die aussehen, als hätte Brandon Semenuk persönlich sie für sein nächstes Video in den bemoosten Waldboden gedriftet, rollen wir bis nach Brixen. Dort bringt der Bus uns und unsere Räder zurück nach St. Peter. In bester Tetris Manier packen wir die vier Bikes und unser Gepäck ins Auto und fahren ein Tal weiter in den Steineggerhof

Für E-MTB-Nerds: Der Steineggerhof

Kurt Resch vom Bikehotel Steineggerhof, war nach seinem ersten Mal auf einem E-Bike im Jahr 2011 einer der Ersten, der das Potential der Räder mit elektrischer Unterstützung erkannt hat. Der Mountainbikepionier hat verstanden, dass E-Biken sehr viel mehr sein kann, als nur einen Schotterweg hochzukurbeln, um denselben dann wieder herunterzurollen. Dieses „viel mehr“ hat Kurt in Trailtouren rund um den Steineggerhof gepackt, bei denen Stufen, Wurzeln und Felshindernisse die Bergauf-Technik von routinierten Mountainbikern fordern und E-Bike-Erstlinge über die Möglichkeiten mit elektrischer Unterstützung staunen lassen. 

So wie bei der Schwiegermuttertour, die wir mit den Guides des Steineggerhofs Lex und Patrick fahren: Mit dem Shuttle geht es erst einmal bis zum Karerpass zwischen Rosengarten und Latemar. Von dort aus schrauben wir uns auf Schotterwegen und Trails dem Latemarstock und seinen Türmen und Felszacken entgegen. Der sogenannte Labyrinthsteig wird immer anspruchsvoller, wurzeliger, steiniger, die Stufen höher. In der Nacht hat es geregnet, das Hinterrad rutscht auf glatten Steinplatten weg und gräbt sich tief ins Geröll. Es wird diskutiert, wie die steilen Rampen am besten zu meistern sind – und ob überhaupt. Es geht ums Gleichgewicht, die richtige Position auf dem Rad, die passende Trittfrequenz in den Beinen und im Kopf, die Überzeugung, dass der Antrieb den Rest schon erledigt. Je höher wir kommen, desto mehr wird der  Labyrinthsteig seinem Namen gerecht. Bald werden die Felsdurchschlupfe so eng, dass wir die Bikes stehen lassen und noch ein paar Schritte zu Fuß gehen. Es eröffnet sich ein herrliches Panorama auf den gegenüberliegenden Rosengarten. Nach dem obligatorischen Foto, geht es denselben Trail wieder hinab und über einen Hohlweg und über eine zur Rast einladende Almwiese ab zum Mittagessen beim Häusler Sam

Bei mir wächst während des Mittagessens die Vorfreude auf den nächsten Trail, denn ich kenne ihn bereits vom Rosadira Bike Festival. Da der erste Teil seit den Stürmen im Herbst unter Bäumen begraben ist, startet der Trail etwas versteckt direkt an der Hängebrücke am Parkplatz des Karersees und führt technisch anspruchsvoll bis nach Welschnofen. Von dort geht es erneut bergauf, bis wir wieder auf einen Trail treffen, der uns über die Sternwarte und den Planetenweg zurück zum Steineggerhof bringt. 

Weil ich die Schönheit der Trails rund um Rosengarten, Latemar und Karersee schon HIER ausführlich beschrieben habe, seien hier noch ein paar Worte über den Steineggerhof verloren: Als Gründungsmitglied und Präsident der Bikehotels Südtirol weiß Kurt, dass ein Waschplatz fürs Radl nicht genügt um sich guten Gewissens „Bikehotel“ zu nennen. Wer im Bikeraum – oder besser gesagt – in DEN BikeräumEN des Steineggerhofs steht, merkt sehr schnell, dass hier Mountainbiken – und speziell E-Mountainbiken – nicht nur vermarktet, sondern gelebt wird. Ähnlich früh dran wie beim Thema E-Bike, ist der gelernte Koch Kurt bei den Trends Bio und Nachhaltigkeit: 1995 haben Kurt und seine Frau Sonja eine Solaranlage gekauft und wurden mit dem Umweltsiegel ausgezeichnet, 2018 wurden sie als klimaneutraler Betrieb zertifiziert und seit 2019 sind sie Mitglied im Verein Bio Hotels, der sich zum Beispiel für Regionalität, Müllvermeidung oder Tierwohl einsetzt. 

St. Vigil: kanadische Trails und Panoramaaussicht aufs Welterbe 

An Tag vier unseres Mountainbike Trips erholen wir uns auf der Dachterrasse des Steineggerhofs mit Blick auf Schlern und Rosengarten, um am Nachmittag weiter nach St. Vigil im Enneberger Tal zu fahren. Auch St. Vigil ist unter Mountainbikern als Etappenort der BIKE Transalp bekannt. Beim Thema Mountainbiken geben die zwölf Skigebiete in Südtirol, Trentino und Belluno, die sich im Winter zu Dolomiti Superski zusammengetan haben, seit zwei Jahren unter dem Label Dolomiti Bike Galaxy Gas. Werbeprospekte versprechen 250 Kilometer Trail und mehr als 24.000 Tiefenmeter. Mit der Super Summer Card kann man für 47 Euro am Tag über 100 Lifte und Bergbahnen der beteiligten Regionen nutzen, die meisten transportieren auch Bikes. Auch der Plose Bikepark, den wir an Tag zwei unseres Trips besucht haben, und Welschnofen, dessen Trails wir an Tag drei mitnahmen, gehören zum Liftverbund dazu. Praktisch für Biker, die verschiedene Trails der Dolomiti Bike Galaxy auschecken wollen, ist die Dreitageskarte für 108 Euro, bei der man an einem beliebigen Tag eine Pause einlegen kann: So kann auch mal ein Regentag dazwischen kommen oder man frönt dem Südtiroler Dolce Vita und ruht die müden Beine bei einem Aperol Spritz im Wellnessbereich aus. 

Einer der wichtigsten Spots der Dolmiti Bike Galaxy ist der 2.275 Meter hohe Kronplatz, der die Grenze zwischen Alpen und Dolomiten darstellt und von dessen flacher Kuppe man folglich den besten Ausblick auf beide Gebirge hat. Idealerweise genießt man ihn unter der Friedensglocke Concordia. Auf dem Geländer des Rondells finden sich alle Berge in Eisen gegossen, die man dahinter im Original bestaunen kann. 

Am Kronplatz konkurrieren drei verschiedene Liftbetreiber um die Gunst der Mountainbiker, erzählt uns unser Guide Michael von der Bike School in St. Vigil. Von jeweils ihrer Seite – Reischach, Gassl und dem Furkelpass – aus haben sie den Berg mit Trails erschlossen. Für den Herrensteig samt seiner Ableger Hans, Franz, Alex und Andreas, sowie den Furcia Trail mit seinen Abzweigern Crazy Bunny und CC Top ist der ortsansässige Trailbauer Markus zuständig. Der flowig-kurvige Gassl Trail lässt klar die Handschrift von Mountainbike Movement aus Innsbruck erkennen, die zum Beispiel auch den Frommes Trail in Serfaus gebaut haben. Bisher noch nicht an den Kronplatz angeschlossen ist der Trail am Piz de Plaies, der direkt aus St. Vigil startet – doch der Anschluss über einen Trail vom Kronplatz bis nach St. Vigil ist geplant. 

Wir starten mit Furcia Flow und müssen beinahe Reinhold Messner vom Trail verjagen, der am Kronplatz ein regelmäßiges Gipfeltreffen mit anschließendem Besuch in seinem eigenen Museum abhält. Bei der anschließenden Bergfahrt mit der Ruisbahn sind wir uns schnell einig, dass der CC Top Trail die spannendste, weil wurzeligste Variante des Furcias ist und flowen als nächstes den Gassl Trail hinab. Danach nehmen wir uns den Herrensteig vor. Michael merkt schnell, dass uns Murmelbahnen gespickt mit Anliegerkurven nicht langfristig glücklich machen und fährt mit uns die Abzweiger des Herrensteigs. Franz und Hans – benannt nach den Forstarbeitern, die am Bau beteiligt waren – sind nach einem Kanada-Urlaub von Trailbauer Markus entstanden und das merkt man den Trails deutlich an: hängende Kurven, enge Spitzkehren, riesige Wurzelstufen, kurze, steile Gegenanstiege – genau nach unserem Geschmack. Nach einem kurzen Uphill nehmen wir auch noch Andreas, Alex und einen Teil des Korertrails mit, die sich ebenfalls kanadisch-technisch geben. 

Zurück am Gipfel in der Corones-Hütte entscheiden wir uns gegen eines der zahlreichen Gerichte aus dem Fleisch der tibetischen Hochlandrinder Yaks, die hier vor der Haustüre grasen, und für eine viel zu große Portion hausgemachter Pasta. Zur Verdauung machen wir einen Rundgang im 2018 eröffneten Lumen, ein Museum über Bergfotografie. Die 17 Euro Eintritt in die ehemalige Bergstation der Kronplatz-Seilbahn lohnen sich für jeden Fotografie- und Architektur-Fan! Für uns Fans technischer Trails hat Michael nach dem Museumsrundgang noch einen Naturtrail auf Lager, der nicht zum offiziellen Bikepark zählt, direkt am Museum startet und bis nach Reischach führt. Mit einem letzten Run auf dem Furcia Trail beenden wir unseren abwechslungsreichen Biketag. 

Aussichtsreiche Tour von St. Vigil nach Alta Badia

Unser Trailhunger wurde am Kronplatz gut gestillt, so dass wir entspannt der Tour entgehen blicken, die an Tag zwei in St. Vigil auf unserem Programm steht: Diego Clara von Dolomiti Superski nimmt uns mit zu einer Panoramatour bis nach Alta Badia. Trotz E-Bike nehmen wir akkusparend die Bahn am Piz de Plaies und folgen einem langen, bis an die 25 Prozent steilen Schotterweg, der uns zu den Ritwiesen bringt. Auf den hochgelegenen Almwiesen steht die Holzhütte Ütia da Rit, mit der sicherlich schönsten E-Bike-Ladestation, die uns bisher untergekommen ist – der Ausblick auf Sellastock und Marmolada ist beim Laden inklusive.

Wir halten uns dennoch nur eine Espressolänge auf und folgen dann dem Schotterweg Richtung Armentara-Wiesen, die zum EU-weiten Netz von Schutzgebieten „Natura 2000“ gehören.  Solche Almen und Wiesen sind typisch für den Naturpark Fanes-Sennes-Prags und haben ihm seinen Namen gegeben: Fanes ist das ladinische Wort für Hochflächen, Sennes steht für Almen. Hinter den Armentara-Wiesen, die dank Enzian, Schwefelanemonen und Trollblumen besonders im Spätfrühling und Frühsommer eine hübsche Kulisse geben, thront der Heiligkreuzkofel. Diego schlaut uns schon die ganze Tour über auf mit Wissen über seine Heimat, vor allem über die ladinische Kultur und Sprache. Unterhalb der Westwand des Heiligkreuzkofels weiß er zu berichten, dass sich der Berg laut Reinhold Messner vor der berühmten Nose im Yosemite Park nicht verstecken muss – zumindest nicht, was den alpinistischen Anspruch betrifft. Während wir uns von unseren E-Bikes über die letzten spaßig-verblockten Meter zum Heiligkreuz Hospiz tragen lassen, befinden wir, dass der Dolomitenberg auch in der Schönheitswertung nicht gegen die amerikanische Konkurrenz verliert. Und schließlich sind sowohl der Yosemite-Park als auch die Dolomiten UNESCO-Weltnaturerbe – letztere in diesem Sommer seit genau zehn Jahren. 

Bei Kaiserschmarrn warten wir im 1718 für Pilger errichteten Hospiz den Regenschauer ab, der sich schon seit heute morgen mit dunklen Wolken über uns ankündigt. Danach folgen wir dem Trail, der sich meistens bergab, oft aber auch der Höhenlinie folgend Richtung St. Kassian schlängelt. Dort angekommen ist unsere Tour noch nicht vorbei: Wir nehmen die Bahn am Piz Sorega und inspizieren aus der Gondel schon mal die Trails, die uns morgen erwarten. Oben angekommen überbrücken wir den nächsten Regenschauer in der Las Vegas Hütte mit einem Ratsch mit ihrem legendären Wirt Uli, bevor wir über den Forstweg zurück nach St. Kassian und weiter nach Badia rollen. 

Auch wenn die Trailausbeute in unserer Version der Panorama Tour von St. Vigil nach Alta Badia eher gering war, ist sie für Fans von südtiroler Ausblicken und Kulinarik durchaus empfehlenswert. Vor allem außerhalb der Hochsaison lassen sich zudem leicht noch ein paar weitere Trailabschnitte einbauen. 

Flow Trails in Alta Badia

Als wir dieTour am Hotel Melodia del Bosco in Badia beenden, stellen wir fest, dass wir eigentlich die falschen Fahrräder dabei haben. Hier regieren ganz klar die Rennradler, die direkt vom Hotel aus alle Dolomitenpässe erstrampeln können. Durch Events wie den Sellaronda Bike Day, an dem alle Pässe um das Sellamassiv für den öffentlichen Verkehr gesperrt sind oder den seit 1987 ausgetragene Maratona Dles Dolomites-Enel mit 9.000 Teilnehmern und 30.000 Anfragen aus aller Welt, wurde die Region vor allem unter Rennradlern beliebt. 

Doch das Angebot des Melodia del Bosco gilt genauso auch für Gravel-, E- oder Mountainbiker: Wäscheservice, ein Waschplatz für die Bikes, eine große Bikegarage mit Werkstatt und geführte Touren mit den Guides von Dolomite Biking. Hotelchef Klaus Irsara ist ausgebildeter Bikeguide, hat die Bike-Schule mitgegründet und guided noch selbst. Wir allerdings sind an unserem letzten Tag in Südtirol mit Matthias von Dolmite Biking unterwegs und nehmen den Sessellift Richtung Heiligkreuz Hospiz. Weil der zweite Sessellift dort gerade erneuert wird, folgen einige hundert Höhenmeter mit einer fiesen Steigung von weit über 20 Prozent. Kurz unterhalb des Hospiz zweigt der Trail ab, der zwar technisch nicht allzu anspruchsvoll ist, aber nach dem Gewitter von gestern Abend dann doch gleich unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. 

Im Anschluss fahren wir zwei Runden auf den brandneu gebauten Bike Beats am Piz Sorega. Das sind zwei Trails, die im unteren Teil aufeinander treffen,und die trotz unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen von grün über blau bis rot für erfahrene Biker allesamt kein Problem darstellen. Die Bike Beats sind damit perfekt geeignet für Familien und Anfänger und eine touristisch logische Ergänzung zu den sogenannten Movimënt Parks von Alta Badia, die mit allerlei Spielereien wie kleinen künstlichen Seen, Minigolf-Anlagen oder Kneipp-Parcours diejenigen bespaßen, denen die Berge allein zu langweilig sind. 

Nach der dritten Bergfahrt mit der Piz Sorega Bahn radeln wir noch ein paar Höhenmeter hinauf bis Pralongià, von wo aus sich ebenfalls ein einfacher Flow Trail Richtung Planac schlängelt. Von dort treten wir Richtung Grödner Joch, beschließen im Winter das berühmte Mittagstal mal unter die Ski zu nehmen und fahren mit der Gondel zur Jimmi Hütte, auf deren Terrasse wir während des Mittagessens genug Zeit haben, den Sellastock ausführlich zu bewundern. 

Nach dem Essen wenden wir dem Sellamassiv den Rücken zu und nehmen den Sessellift Richtung Dantercepies. Wir springen ein paar Mal die Drops an der Bergstation, bevor wir eine der beiden flowigen Cir Lines unter die Stollen nehmen. Nach Ende der Cir Line sind wir bis nach Colfosco auf einem gebauten Trail unterwegs, folgen später dem Bachweg, bis uns Matthias wieder ein paar Höhenmeter bergauf treten lässt, um auf einem „schöneren Weg“, wie er sagt, zurück zum Hotel zu kommen. Schön wird er bald, der wurzelige Waldtrail, aber auch ganz schön anstrengend: In einem technischen Auf und Ab geht es am Hang dahin, bis der Trail uns direkt hinter dem Melodia Del Bosco wieder ausspuckt. 

Als wir auf die Terrasse zum verdienten Bier rollen stehen 4.000 Höhenmeter, davon 1.200 selbst getreten und 63 Kilometer auf unserem Garmin. Wir haben uns ausführlichst davon überzeugt, dass sie in Alta Badia Flow Trails bauen können: gut platzierte Sprünge, kleine Wellen und rhythmische Anliegerkurven mit feinen Radien erlauben, die Bremse einfach aufzulassen und sich dem Flow hinzugeben. Dass wir dabei nicht von Bremsrippen durchgeschüttelt wurden, spricht dafür, dass die Südtiroler die Trails nicht nur bauen, sondern auch pflegen können. Als Kirsche auf der Torte gibt es auch in Alta Badia jede Menge Wanderwege, auf denen sich außerhalb der Hochsaison auch Mountainbiker quasi ungestört austoben können und ums Eck im Val di Fassa Trails, die sogar anspruchsvoll genug für die Enduro World Series sind. 

Wir lassen das verlockende Ziel Val di Fassa aber diesmal aus und fahren von Südtirol weiter nach Graubünden in die Schweiz. Dort schauen wir uns die Trails in  Davos Klosters, Flims Laax Falera und Arosa Lenzerheide an – mehr dazu gibt es HIER bei Outville

Die GPS-Tracks zu allen Touren aus diesem Artikel findet ihr bei Kaddi auf Komoot. 

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