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So erlebt ihr eine unvergessliche Outdoornacht

Nicht erst seit Fotos mit Hashtags wie #sleepoutside normale Schlafzimmer irgendwie langweilig machen, ist eine Nacht unter freiem Himmel ein Muss für jeden Outdoor-Fan. Aber wo darf man überhaupt zelten oder biwakieren? Und was braucht man alles? Outville hat die wichtigsten Tipps zusammengestellt.

Vor dem Abenteuer: die rechtliche Lage checken!


Wie fast alles ist auch das Biwakieren und Campen in den Bergen nicht einfach erlaubt, sondern unterliegt bestimmten, zum Teil strengen Regeln. Und das ist auch gut so, denn Natur und Tiere sollen für unser Outdoor-Abenteuer nicht bezahlen müssen. Außerdem spielen verschiedene Interessen, zum Beispiel von Forst, Grundbesitzern oder Jägern eine Rolle. Was, wo und wie es erlaubt ist, unterscheidet sich stark zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz - und auch zwischen einzelnen Bundesländern oder verschiedenen Naturschutzgebieten.

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© Bernd Ritschel


Aber zuerst zu den Gemeinsamkeiten: Ein Notfallbiwak ist überall unbedenklich. Wenn man es weil man sich verletzt oder mit der Zeit oder Kraft verkalkuliert habt, nicht mehr ins Tal schafft, muss man sich zumindest wegen der Legalität des Biwaks keine Sorgen machen. Bei geplanten Outdoor-Nächten wird meist kein Unterschied gemacht, ob man campt – also mit Zelt unterwegs ist – oder biwakiert – also nur einen Schlafsack oder Biwaksack dabei hat. Den Unterschied macht einzig und allein die Frage, ob geplant oder nicht. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Im Wald ist Biwakieren und Campieren in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz verboten – außer mit ausdrücklicher Genehmigung des Grundeigentümers.

Über diese Grundregeln hinaus, gibt es große Unterschiede: Während in Tirol oder Niederösterreich Biwakieren grundsätzlich verboten ist, geht es in Salzburg oder der Steiermark nicht ganz so streng zu. Teilweise gibt es Einschränkungen, die zu einer unbequemen Nacht führen können: Im Naturschutzgebiet „Allgäuer Hochalpen“ zum Beispiel, ist Zelten und Biwakieren „außerhalb felsiger oder felsnaher Bereiche“ verboten.

Wichtig also: Bevor man aufbricht, auf jeden Fall beim Tourismusbüro, dem Naturpark oder anderen Stellen des Zielorts schlau machen, wie die rechtliche Lage ist – ansonsten drohen Anzeigen und Geldstrafen sogar bis zu 15.000 Euro!


Unterwegs: anständig verhalten!


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© Mountain Equipment


Eine wichtige Selbstverständlichkeit. Denn draußen zuhause sind eigentlich nicht wir Outdoorfreaks, sondern Flora und Fauna. Deshalb: Wenn ihr einen Ort gefunden habt, an dem ihr biwakieren oder zelten dürft, dann checkt auch die genauen Verhaltensregeln vor Ort. Immer gilt: empfindliche Lebensräume meiden. Haltet euch fern von Übergangsbereichen zwischen Wald und Wiesen, lockeren Baumbeständen, Bereichen mit vielen Wildspuren (Trittspuren, Kot), sträucherreichen Weiden, Heidekrautfluren, Moorlandschaften, Auen an Flüssen oder im Winter aperen, also schneefreien Stellen und Kuppen. Lärm vermeiden, Müll wieder mitnehmen – all das sollte selbstverständlich sein. Im Wald und in Schutzgebieten sind außerdem offenes Feuer verboten. Der DAV hat alle wichtigen Informationen rund ums Thema Biwak und Zelten hier zusammengestellt.


Grundregel: gut vorbereitet ist halb übernachtet!


Euch Outdoor-Füchsen muss man vermutlich nicht sagen, dass ihr immer genug zu essen, ein Erste-Hilfe-Set, Wechselklamotten und einen Regenschutz dabei haben solltet, es nachts gern mal kalt wird im Gebirge und ein warmer Tee dagegen herrlich hilft. Für Draußen-Schläfer, die ohne Zelt unterwegs sein wollen, stellt sich deswegen vor allem die Frage: Biwaksack ja oder nein, und wenn ja, welcher Biwaksack?

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© Lars Schneider


Notfallbiwaksäcke gibt’s relativ günstig um die 20 Euro – allerdings sind die, wie der Name schon sagt, für den Notfall und nur für diesen. Ein Notfallbiwaksack ist eine überdimensionale Plastiktüte – nicht atmungsaktiv und nicht besonders stabil. Selbst wenn der Sack die Feuchtigkeit von draußen abhält, bildet sich drinnen Kondenswasser und bei ruckartigen Bewegungen oder spitzem Untergrund kann der Sack schnell reißen.

Biwaksäcke für geplante Biwaks können schnell ins Geld gehen – ab 70 Euro geht die atmungsaktivere Luxus-Variante los, die es auch in der Zwei-Personen-Ausführung gibt. Vorteil: Wenn man allein unterwegs ist, passt in einen Zwei-Personen-Biwaksack auch das Gepäck noch rein. Nachteil: Das Outdoor-Doppelbett für unterwegs ist teurer und natürlich auch schwerer und größer vom Packmaß. Und: Wer nicht gerade zwei Meter groß ist, bekommt sein Gepäck auch in den Fußraum eines normalen Biwaksacks.

Möglichkeit 3: Eine Plane mithilfe eines Stocks zu einem provisorischen Zelt spannen. Wer allerdings glaubt, eine Plane – oder auf outdoor-deutsch „Tarp“ – ist günstiger, der irrt: Planen in angemessener Größe, mit akzeptablem Packmaß und Gewicht kosten schnell mal um die 100 Euro.

Die Schönwetter-Variante: Wenn das Wetter stabil vorhergesagt ist – was für den ersten Biwakversuch am besten wäre – reichen Isomatte und Schlafsack völlig aus. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man nicht einen billigen Discounter-Schlafsack mit auf den Berg schleppt, sondern einen beschichteten, der Feuchtigkeit draußen hält.

Fazit: Eine Nacht auf dem Berg mit nichts zwischen dir und den Sternen kann unvergesslich werden. Gern erinnert ihr euch aber nur daran, wenn ihr ein bisschen Zeit in die Vorbereitung steckt und vor allem die rechtlichen Fragen abklärt.


Mehr hilfreiche Tipps zum Thema Biwak, gib es hier.

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