Ich erinnere mich noch gut, als ich vor über 25 Jahren zu meiner ersten Alpenüberquerung mit dem Mountainbike aufgebrochen bin. Ich habe versucht, alles was mir für den siebentägigen Trip unabdingbar erschien, in einem 30 Liter Rucksack unterzubringen. Allein die Regenjacke hat damals ein Viertel des Rucksacks ausgefüllt und wahrscheinlich fast ein Kilo gewogen.
Seit damals hat sich an der Regenjacken-Front einiges getan. Nicht nur die Auswahl ist größer geworden, sondern auch das Angebot an sehr leichten, klein verpackbaren Hard Shell Jacken, die komprimiert kaum größer als eine Faust sind. Sie sind wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv und verfügen über alle essentiellen Features einer Regenjacke, wie eine verstellbare Kapuze, anpassbare Ärmelbündchen, einen justierbaren Kordelzug am Saum, Reißverschlusstaschen und teils auch Lüftungsreißverschlüsse unter den Armen. Während früher die verfügbaren Leicht-Shell Jacken teuer und oft nur bedingt strapazierfähig waren, gibt es heute Modelle, die leicht und trotzdem robust sind und sich auch preislich in einem akzeptablen Rahmen bewegen.
Damit Regenjacken sowohl wasserdicht als auch atmungsaktiv sind, kommt in den meisten Fällen eine Membran zum Einsatz. Diese kann man sich wie eine ultradünne Folie vorstellen. Das amerikanische Unternehmen Gore zum Beispiel zählt zu den Membran-Pionieren und hat mit der 1976 eingeführten Gore-Tex Technologie eine Art Gattungsbegriff für wasserdicht und atmungsaktiv geschaffen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Membrantechnologien und auch Hersteller. Das Besondere einer Membran ist, dass sie Körperfeuchtigkeit in Form von Wasserdampf entweichen lässt, ohne dass jedoch Nässe eindringen kann. Im Fall der Gore-Tex Membran funktioniert dies dadurch, dass sie über mehr als 1,4 Millionen Poren pro Quadratzentimeter verfügt und diese Poren 20.000 mal kleiner als ein Wassertropfen sind.
Mehr Lagen bedeutet mehr Stabilität und weniger Gewicht. Damit jedoch eine solch empfindliche Membran im Bereich der Outdoor Bekleidung eingesetzt werden kann, muss sie mit mindestens einem textilen Trägermaterial verklebt werden, das als Schutzschicht gegen Beschädigung fungiert. Dadurch entsteht ein sogenanntes Laminat. Je nach dem aus wie vielen Lagen es besteht, unterscheidet man verschiedene Konstruktionen:
Die Membran wird nur mit dem Obermaterial verklebt und zum Schutz kommt auf der Innenseite ein lose eingehängtes Innenfutter zum Einsatz. 2-Lagen Jacken sind meist etwas schwerer als die beiden folgenden Konstruktionen und nicht ganz so robust.
Hier wird auf der Innenseite je nach Hersteller eine Schutzschicht in Form von Karbon auf die Membran aufgebracht. Karbon ist ein punkte- oder wabenförmiges Raster. Jacken mit dieser Konstruktion sind meist leichter und robuster als 2-lagige und deutlich kleiner im Packmaß.
Die Membran wird mit dem Obermaterial und Innenfutter zu einer Einheit verklebt. Dadurch entsteht die strapazierfähigste Lösung, leichter als 2-Lagen Jacken und robuster als 2,5-lagige. 3-Lagen Jacken sind insbesondere dann zu empfehlen, wenn man oft mit schwerem Rucksack, in felsigem Gelände und viel bei schlechtem Wetter unterwegs ist.
Damit sich das Obermaterial der Jacke nicht vollsaugt, dadurch die Atmungsaktivität verliert und beim Tragen ein unangenehm klammes Gefühl zurücklässt, kommt eine sogenannte DWR (Durable Water Repellent) Imprägnierung zum Einsatz. Diese hat einen Wasserabperleffekt und verhindert das Vollsaugen des Materials. Durch Verschmutzung und mechanische Einflüsse, wie zum Beispiel reibende Rucksackträger, lässt die wasserabweisende Wirkung jedoch im Lauf der Zeit nach. Deshalb sollte man seine Jacke regelmäßig waschen. Durch Wärme lässt sich die DWR-Imprägnierung nach dem Waschen wieder reaktivieren: Dazu die Jacke entweder in den Trockner geben oder bei mittlerer Hitze bügeln. Wichtig bei letzterer Methode ist, dass man ein dünnes Tuch zwischen Jacke und Bügeleisen legt. Zusätzlich kann man auch noch ein Imprägnierspray verwenden. Die Firma Nikiwax beispielsweise hat ausschließlich PFC-freie Produkte im Angebot. Diese Fluorkarbone (PFC) stehen in Verdacht beim Menschen gesundheitliche Probleme auszulösen. Deshalb arbeitet die Industrie seit einigen Jahren daran adäquate Alternativen zu entwickeln, die eine ähnlich gute Funktion haben, aber keine negativen Auswirkungen auf Mensch und Natur. Zudem gibt es mittlerweile einige Laminate, die aus Mono-Materialien bestehen und somit vollständig recycelbar sind.
Im Segment der Leichtjacken kommen fast ausschließlich 2,5- und 3-Lagen Laminate zum Einsatz. Outville stellt fünf multifunktionale Hard Shells zwischen 160 und 599 Euro vor, die zwischen 200 und 385 Gramm wiegen und sich als Schlechtwetterschutz für eine Vielzahl an Outdoor Aktivitäten, wie Biken, Wandern, Klettern oder Skitourengehen eignen.
Ultraleichte 3-Lagen Hardshell für Bike, Skitour, Trailrunning und Hiking. Die Guardian Air ist vollständig wasserdicht und lässt sich extrem klein verpacken – ohne bei Bewegungsfreiheit und Wetterschutz Kompromisse zu machen.
Die meiste Zeit verschwindet sie im Rucksack. Wenn das Wetter kippt, ist die 7Mesh Guardian Air Jacket zur Stelle. Mit gerade einmal 200 Gramm in Größe M gehört sie zu den leichtesten vollwertigen GORE-TEX®-Hardshells und ist damit die ideale Wetterschutzschicht für lange Touren, bei denen jedes Gramm zählt.
Das 15D Ripstop-Nylon mit GORE-TEX® ePE Membran ist vollständig wasserdicht und erreicht eine Wassersäule von mehr als 28.000 mm. Gleichzeitig ist das Material PFAS-frei. Der 360°-Artikulationsschnitt wurde speziell für Bewegung entwickelt und bietet viel Bewegungsfreiheit bei gleichzeitig kompakter Passform. Der Relaxed Fit schafft zudem ausreichend Platz für zusätzliche Layer.
Durchdachte Details machen die Guardian Air zur vielseitigen Hardshell für unterschiedlichste Aktivitäten. Die CrossPull Hood lässt sich einmal einstellen und sitzt anschließend zuverlässig. Bei Nichtgebrauch wird sie zum schützenden Kragen zusammengerollt und mit dem Stowaway Snap fixiert. Handschuhtaugliche Ärmelabschlüsse und einhändig bedienbare Kordelzüge am Saum erleichtern die Bedienung unterwegs. In der doppelten Innentaschen-Konstruktion findet sich Platz für wichtige Kleinigkeiten. Dank dem Stash-System lässt sich die Jacke in der innenliegenden Brusttasche klein verstauen und dank der Klettverschluss-Riemen am Bike-Rahmen befestigen . Der wasserdichte Zwei-Wege-Reißverschluss macht die Jacke zusätzlich vielseitig im Einsatz und erleichtert die Temperaturregulierung bei schweißtreibenden Aktivitäten.
Ob auf einer langen Bikepacking-Etappe, bei einer alpinen Skitour oder wenn beim Trailrunning und Wandern das Wetter plötzlich umschlägt: Die 450 Euro teure Guardian Air ist eine kompromisslos leichte Wetterschutzschicht für maximale Freiheit bei minimalem Gewicht.
Das Fineline Stretch Shell Jacket von Black Diamond zählt mit seinen 320 Gramm zwar zu den etwas schweren Modellen unter den Leicht-Jacken, überzeugt aber mit einem ausgesprochen guten Preis-Leistungsverhältnis. Die 160 Euro teure und schlichte Shell Jacke besteht aus einem wasserdichten und atmungsaktiven 2,5-Lagen DB.Dry Laminat mit Stretch-Anteil (inkl. einer PFC-freien DWR-Ausrüstung), bietet so Bewegungsfreiheit, ist robust und trägt sich sehr angenehm. Für gute Belüftung unter den Armen sorgen sogenannte Pit-Zips. Die Kapuze ist helmtauglich und lässt sich gut anpassen. Das gilt auch für die Ärmelbündchen und den Saum, den man über einen Kordelzug anpassen kann. Das Fineline Stretch Shell lässt sich klein komprimieren und in der rechten Jackentasche verstauen. Die Allround Jacke eignet sich für den ganzjährigen Einsatz vom Biken übers Wandern bis zum Skitourengehen, da die Regular Passform auch das Tragen einer dünneren Isolierjacke darunter zulässt. Erhältlich in acht Farben, für Frauen und Männer.
Das 340 Gramm leichte Beta SL Jacket der kanadischen Outdoormarke Arc’teryx ist aus einem wasserdichten und atmungsaktivem 3-Lagen Shell Laminat mit PFC-freier Gore-Tex ePE Membrane gefertigt. Die robuste Shell Jacke schützt einen so verlässlich gegen Wind und Regen und sorgt dafür, dass die Körperfeuchtigkeit nach außen entweichen kann. Unterarmreißverschlüsse sorgen für zusätzliche Belüftung bei besonders hoher Intensität oder wärmeren Außentemperaturen. Die 500 Euro teure Jacke verfügt darüberhinaus über eine optimal anpassbare, helmtaugliche Kapuze, zwei seitliche Einschubtaschen und eine innenliegende Brusttasche, justierbare Ärmelbündchen und einen Kordelzug am Bund. Ein integrierter Recco-Reflektor erleichtert das Orten für den Fall, dass mal etwas schief geht. Zur Auswahl stehen drei Farben.
Der Patagonia Klassiker M10 Storm Jacket zählt mit seinen 310 Gramm zu den leichtesten 3-Lagen Jacken auf dem Markt. Das Ripstopgewebe aus 100 % Recycling-Nylon ist leicht, robust und wird ohne den Einsatz von umweltschädlichen PFAS hergestellt. Das gleiche gilt für die dauerhaft wasserabweisende DWR-Imprägnierung sowie die Membrane. Die verstellbare Kapuze passt perfekt über einen Alpinhelm und bietet verlässlichen Schutz bei widrigen Wetterbedingungen. Alle Reißverschlüsse sind wasserdicht und verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit. Zwei unterschiedlich große Brusttaschen sind auch mit angelegtem Klettergurt gut zugänglich. In der größeren lässt sich die schmal geschnittene Jacke klein verstauen. Die flachen Ärmelbündchen lassen sich eng fixieren, sodass kein Wasser eindringt, und der zweifach verstellbare Saum sorgt für zusätzliche Abdichtung. On top ist ein RECCO® Reflektor integriert, der im Fall der Fälle die Auffindbarkeit erleichtert. Die 380 Euro teure Shelljacke ist in drei Farben erhältlich sowie einer Anorakversion.
Die leichte und hochfunktionale TourTech Shell Jacket der progressiven Outdoormarke Raide aus Boulder Colorado ist speziell für anspruchsvolle Skitouren und lange Tage im Backcountry entwickelt worden. Mit gerade einmal 385 Gramm in Größe M zählt sie damit zu den leichtesten ihrer Art und bietet dank 30.000 mm Wassersäule und 30.000 g/m²/24 h Atmungsaktivität den selben Wetterschutz wie eine Alpinjacke.
Das 3-Lagen-Material kombiniert ein leichtes 20D-Nylon mit UHMWPE-Ripstop und einer hydrophoben, mikroporösen Polypropylen-Membran. Das Ergebnis ist ein bemerkenswert leichtes, gleichzeitig widerstandsfähiges Gewebe, das auch Kontakt mit Fels, Eis und Ästen wegsteckt. Die vollständig getapten Nähte und die PFAS-freie DWR-Imprägnierung sorgen dafür, dass Regen und Schnee draußen bleiben. Beim Schnitt setzt Raide auf einen freeride-inspirierten Fit, der ausreichend Bewegungsfreiheit bietet und gleichzeitig Platz für zusätzliche Layer lässt. Die helmkompatible Kapuze lässt sich präzise anpassen, während Belüftungsöffnungen unter den Armen und lasergeschnittene Ventilationsöffnungen für zusätzlichen Luftaustausch bei schweißtreibenden Anstiegen sorgen. Auch bei den Taschen wurde konsequent auf den Einsatz im Backcountry optimiert. Zwei symmetrische Brusttaschen bieten Platz für Felle und verfügen über integrierte Beacon-Sleeves sowie Befestigungsmöglichkeiten. Pass-Through-Zips erlauben den direkten Zugriff auf darunterliegende Schichten, während eine zusätzliche Innentasche als praktische Ablage für Handschuhe oder Skins dient. Auf Handgamaschen und Schneefang verzichtet Raide bewusst – alles, was nicht zwingend benötigt wird, bleibt zu Hause.
Und wenn die 599 Euro teure TourTech Shell tatsächlich einmal nicht gebraucht wird, packt sie sich einfach selbst: entweder in die eigene Brusttasche oder direkt in die Kapuze. So wird aus einer vollwertigen 3-Lagen-Shell eine kompakte Notfallversicherung für wechselhaftes Wetter.
