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Wieso man bei der Lawinenausrüstung nicht sparen sollte

„Ich mach’ das ja nicht sooft, das lohnt sich nicht.“ Dieser Satz darf beim Thema Notfallausrüstung zum Freeriden und Tourengehen nicht fallen. Denn gerade für Gelegenheitstäter mit wenig Erfahrung bietet die neueste Notfallausrüstung auch die größtmögliche Sicherheit.

Normalerweise propagiert Outville Nachhaltigkeit und bewussten Konsum als Kaufrausch. Wer sich zum ersten Mal an eine Skitour wagt, der muss vorher nicht unbedingt shoppen gehen, sondern kann sich Ski und Schuhe vielleicht erst einmal von einem Freund ausleihen, finden wir. Und dem, der nicht jedes Wochenende hunderte Kilometer auf dem Fahrradtacho hat, reicht fürs erste Bikepacking-Abenteuer vielleicht auch erst einmal ein gebrauchtes Fahrrad. Doch es gibt ein Thema, da finden sogar wir, dass Sparsamkeit und Konsumkritik fehl am Platz sind: die Sicherheit beim Tourengehen und Freeriden.

„Idiotensichere“  Notfallausrüstung

Gerade wer selten und unregelmäßig im freien Gelände unterwegs ist, sollte beim Kauf von Lawinenverschüttetensuchgerät, Sonde oder Lawinenrucksack lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben und die aktuellsten Produkte kaufen. Der Grund: Vor allem in puncto intuitive Bedienung haben die Entwickler bei zum Beispiel Mammut oder Pieps die Entwicklung in den letzten Jahren massiv vorangetrieben. Man könnte auch etwas abfällig sagen: Die Geräte sind mittlerweile nahezu idiotensicher. Und das ist auch gut so, denn egal wie viel Erfahrung und welche Lawinenausbildung der Einzelne auch haben mag, wer weiß schon so genau, wie idiotisch er sich im Ernstfall und bei Aufregung dann trotz aller Ausbildung verhalten würde?!?

Mammut Barryvox und PIEPS MICRO – intuitiv und zeitsparend

Mammut hat seinen Klassiker Barryvox, von dem mittlerweile über 500 000 Geräte verkauft wurden, überarbeitet. Zusammen mit Psychologen entwickelten die Schweizer vier Jahre lang eine neue, intuitiv und damit einfacher zu bedienende Geräte-Generation mit größeren, hochauflösenden  Displays, die auch die Tester im aktuellen Lawinenverschüttetensuchgeräte-Test des Alpenvereins überzeugt. Die neuen Geräte Barryvox und Barryvox S verfügen nicht wie bisher nur in der Grobsuche, sondern nun auch in der Feinsuche über einen Richtungspfeil, der dem Suchenden sofort anzeigt, wenn er sich in die falsche Richtung bewegt. 

Das Lawinenverschüttetensuchgerät PIEPS MICRO ist das derzeit kleinste, mit 150 Gramm leichteste und nach Unternehmensangaben auch intuitivste Gerät auf dem Markt. Es schaltet nicht nur wie andere Geräte auch automatisch vom Such- in den Sendemodus, wenn es eine bestimmte Zeit nicht bewegt wird und deshalb von einer Verschüttung durch eine Nachlawine ausgegangen werden kann, sondern hat auch als erstes LVS-Gerät überhaupt einen Lichtsensor. Dieser erkennt, wenn das Gerät aus der Halterung genommen wird und schaltet dann automatisch vom Sende- in den Suchmodus. Kein Umlegen eines Schalters oder Drücken eines Knopfes – im Ernstfall spart das viel Zeit. Wenn der PIEPS MICRO den ersten Kontakt zum LVS des Verschütteten findet, vibriert er. Der Suchende kann sich also während der Grobsuche darauf konzentrieren, den Lawinenkegel nach visuellen Hinweisen auf den Verschütteten abzusuchen und muss nicht aufs Display schauen.

iPROBE II – die intelligente Sonde

Kommt zusätzlich zum PIEPS MICRO die Sonde iPROBE II zum Einsatz, können weitere Fehlerfaktoren ausgeschaltet werden: Die Spitze der elektronischen Sonde mit integriertem Empfänger lokalisiert jedes LVS-Gerät und zeigt Treffer sowohl optisch als auch akustisch an. Man muss sich also nicht mehr auf sein mehr oder minder trainiertes Gefühl verlassen, um zu entscheiden, ob die Sonde wirklich einen Menschen, Skischuh oder Helm trifft oder doch nur einen Stein oder Grasbüschel. Laut Unternehmensangaben reduziert die iPROBE II die Dauer für Fein- und Punktsuche durch diese Funktion um 60 Prozent.

Lawinenrucksäcke – Wingsuit-Material und Segel-Inspiration

Eine gern missachtete oder unzureichend kommunizierte Tatsache, die trotz aller Weiterentwicklung und Innovation beim Thema Lawinenrucksack immer noch gilt: Der Airbag ist NUR eine Ergänzung, nur ein Plus an Sicherheit. Er ersetzt nicht LVS-Gerät, Schaufel und Sonde, er komplettiert höchstens die obligatorische Notfallausrüstung. Doch auch an diesem Ad On, das die Überlebenswahrscheinlichkeit im Ernstfall steigert, tüfteln die Entwickler fleißig: Beim Marktführer ABS versucht man, ähnlich wie bei den LVS-Herstellern, mögliches menschliches Versagen durch Technik wett zu machen: Statistiken zeigen, dass rund jedes fünfte Lawinenopfer den Airbag in einer Lawine nicht oder zu spät auslöst – weil der Wintersportler die Situation nicht erkennt, falsch einschätzt oder es im Ernstfall einfach nicht schafft, den Auslösegriff zu ziehen.

ABS stellt diesem Problem die Partnerauslösung per Funk mit dem neuen ABS P.Ride System entgegen: Weil die Rucksäcke einer kompletten Wintersportler-Gruppe per Funk verbunden werden können, kann durch den Zug am Griff entweder nur der eigene Airbag ausgelöst werden, die Airbags der gesamten Gruppe oder gezielt nur der Rucksack desjenigen, der sich gerade im Hang befindet. Auch kann man mit den ABS P.Ride Rucksäcke, anders als bei den Vorgängermodellen, die Auslösung und Zug am Griff ohne eingesetzte Patrone üben, um für den Ernstfall mehr Sicherheit zu bekommen. ABS hat außerdem am Tragekomfort der Rucksäcke gearbeitet, das Gewicht gesenkt und dennoch die Auflagefläche der Airbags um 30 Prozent vergrößert, was wiederum die Sicherheit steigert. Und es geht noch weiter in der Entwicklung: Die Funkschnittstelle zur Fernauslösung soll künftig noch besser genutzt werden, wie genau solche Sicherheitsfeatures aussehen könnten, schaut man sich zum Beispiel im Segelsport ab.

Auch andere Firmen ruhen sich nicht auf Erreichtem aus, sondern arbeiten mit verschiedenen Ideen und in unterschiedliche Richtung an der Verbesserung der Notfallausrüstung. Ortovox hat im vergangenen Jahr den mit 690 Gramm extrem leichten Avabag herausgebracht. Eine innovative Verschweißmethode ermöglicht ein besonders kleines Packmaß des Airbags, macht ihn gleichzeitig reißfest und dicht. Auch bei diesem System kann man ohne eingeschraubte Kartusche die Auslösung beliebig oft trainieren. Von der Ispo wurde der Rucksack im vergangenen Jahr als innovativstes Produkt im Skibereich ausgezeichnet.

Anders als Ortovox und ABS setzt PIEPS beim Jetforce, der in Zusammenarbeit mit Black Diamond entwickelt wurde, auf ein elektronisches System mit Düsengetriebe. Die Vorteile dabei: Der Airbag kann beliebig oft zu Übungszwecken ausgelöst werden. Nach einer Verschüttung leeren sich die Airbags außerdem nach drei Minuten automatisch, wodurch sich der Schneedruck auf die verschüttete Person verringert und eine Atemhöhle entsteht.

Equipment ersetzt kein Wissen!

Alle Innovation, die Freeriden und Tourengehen sicherer macht: Die intelligente Ausrüstung ersetzt keinen Lawinenkurs. Und das Lawinenwissen will nicht nur einmal angelegt sein, sondern regelmäßig –  am besten einmal im Jahr – aufgefrischt werden. Für Einsteiger empfehlen wir die kostenlosen Basic Camps vom SAAC. SAAC steht für snow and alpine awareness camps und wurde vor 20 Jahren gegründet. Die Initiative will Wintersportler ab 14 Jahren über alpine Gefahren aufklären und zu Eigenverantwortung erziehen. Neben den kostenlosen Basis Camps gibt es auch Aufbaucamps für fortgeschrittenere Freerider, die zum Beispiel tiefer in Tourenplanung, Geländekunde oder Schneekunde einsteigen wollen. Bis heute haben mehr als 24 000 Wintersportler an über 570 Camps teilgenommen. Außerdem empfehlen wir die Freeride Camps von snowacademy, der Schneesportschule von Outville-Kontributor Jochen Reiser. Wer darüber hinaus die neusten Produkte testen will, einen tiefergehenden Einblick in den Forschungsstand der Lawinenkunde bekommen möchte und mit Arlberger Profi Skifahrern und Snowboardern das Gelände unsicher machen, dem sei Snow and Safety Conference empfohlen. Sie findet jedes Jahr zu Beginn der Wintersaison in Zürs statt.

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