outville-logo-mobile
outville_lvs special-01

Wieso man bei der Lawinenausrüstung nicht sparen sollte

„Ich mach’ das ja nicht so oft, das lohnt sich nicht.“ Dieser Satz darf beim Thema LVS-Ausrüstung zum Freeriden und Tourengehen nicht fallen. Denn gerade für Gelegenheitstäter:innen mit wenig Erfahrung bietet die neueste Notfallausrüstung auch die größtmögliche Sicherheit.

Normalerweise propagiert Outville Nachhaltigkeit und bewussten Konsum als Kaufrausch. Wer sich zum ersten Mal an eine Skitour wagt, der muss vorher nicht unbedingt shoppen gehen, sondern kann sich Ski und Schuhe vielleicht erst einmal von einem Freund ausleihen, finden wir. Und dem, der nicht jedes Wochenende hunderte Kilometer auf dem Fahrradtacho hat, reicht fürs erste Bikepacking-Abenteuer vielleicht auch erst einmal ein gebrauchtes Fahrrad. Doch es gibt ein Thema, da finden sogar wir, dass Sparsamkeit und Konsumkritik fehl am Platz sind: die Sicherheit beim Tourengehen und Freeriden.

outville_lvs special-05
827A8604
827A0417
outville_lvs special-04
outville_lvs special-15
outville_lvs special-14

„Idiotensichere“ Notfallausrüstung

Gerade wer selten und unregelmäßig im freien Gelände unterwegs ist, sollte beim Kauf von Lawinenverschüttetensuchgerät oder Lawinenrucksack lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben und die aktuellsten Produkte kaufen.

LVS-Geräte, Schaufel und Sonde

Der Grund: Vor allem in puncto intuitive Bedienung haben zum Beispiel Mammut oder Pieps / Black Diamond mit dem BT Powder oder Recon X die Entwicklung in den letzten Jahren massiv vorangetrieben. Auch  Hersteller wie Arva mit dem neuen Neo BT Pro oder Ortovox mit dem innovativen Diract Voice mit Sprachsteuerung haben nachgezogen und optimieren fortlaufend die Software ihrer Geräte, um das Auffinden von Verschütteten weiter zu erleichtern und zu beschleunigen. Man könnte auch etwas abfällig sagen: Die Geräte sind mittlerweile nahezu idiotensicher. Und das ist auch gut so, denn egal wie viel Erfahrung und welche Lawinenausbildung die und der Einzelne auch haben mag, wer weiß schon so genau, wie idiotisch sie oder er sich im Ernstfall und bei Aufregung dann trotz aller Ausbildung verhält?!? Deshalb gilt, üben, üben, üben, am besten jedes Jahr zu Beginn der neuen Skitourensaison. 

Mammut Barryvox – intuitiv und zeitsparend

Über vier Jahre lang entwickelten die Schweizer*innen von Mammut zusammen mit Psycholog*innen die aktuelle Gerätegeneration. Ziel war es die Bedienung intuitiver und damit einfacher zu gestalten, auf unnötige Funktionen zu verzichten, damit im Notfall Verschüttete möglichst schnell und sicher lokalisiert werden können. Das Barryvox ist wie alle modernen Lawinenverschüttetensuchgeräte ein digitales 3-Antennen Gerät. Es verfügt über eine große Empfangsreichweite und effektive Suchstreifenbreite von je 70 Meter, wodurch es zu den leistungsfähigsten LVS-Geräten auf dem Markt zählt. Bei der Suche hilft sowohl ein akustisches Signal, als auch eine klare Anzeige auf dem Display, die Richtung, Distanz und die Anzahl der Verschütteten angibt. Wird ein:e Verschüttete:r gefunden und markiert, kann sofort die Suche nach der:dem nächsten begonnen werden. Das spart Zeit und Kraft, die wichtig für das Ausgraben ist. Eine automatische Sendeumschaltung wechselt automatisch vom Such- in den Sende-Modus, sollte sich die:der Retter:in vier Minuten lang nicht bewegen. Das Gerät geht in diesem Fall von einer Nachlawine aus. Das 300 Euro teure Barryvox ist updatefähig und kann wie alle "modernen" LVS-Geräte immer auf den neuesten Stand der Software-Technik gebracht werden.

Mammut Alugator Pro Light 3.0 Hoe

Mit der 675 Gramm schweren und 110 Euro teuren Alugator Pro Light 3.0 Hoe hat der schweizer Bergsportausrüster Mammut eine äußerst robuste und gleichzeitig leichte Lawinenschaufel aus gehärtetem Aluminium im Sortiment. Durch die variable Stielposition kann die Schaufel auch als 90-Grad-Hacke verwendet werden, um somit schnell und effektiv Schnee abzuräumen. Mammut ist der erste Hersteller, dessen komplettes Schaufelsortiment der UIAA Norm für Lawinenschaufeln entspricht. Sie schreibt eine Schaufelblattgrösse von mindestens 500 Quadratzentimetern und eine Schaufellänge von mindestens 75 Zentimetern vor. Damit soll sichergestellt werden, im Ernstfall möglichst effektiv schaufeln zu können. Dabei hilft auch der ergonomisch geformte D-Griff und der 90 Zentimeter lange, ovale Teleskopstiel mit integrierter Griffzone. Praktisch ist der gerade Schaufelblattrücken zum Abstechen von Schneeprofilen. Ein ähnliches Schaufelsystem bieten Ortovox mit der Shovel Kodiak für 100 Euro und Black Diamond mit der Eva 7 Shovel für 90 Euro an.

Black Diamond Quickdraw Pro Probe 280

Komplettiert wird jede Lawinenausrüstung durch die Lawinensonde, die genauso unverzichtbar ist wie ein LVS-Gerät und eine Schaufel. Die 70 Euro teure Quickdraw Pro Probe  280 von Black Diamond  ist mit 320 Gramm eine relativ leichte, kompakt zu verstauende Sonde aus langlebigen Aluminium mit rostfreiem Stahlkabel. Das neu entwickelte, handschuhtaugliche Arretierungssystem sorgt für maximalen Komfort beim Arretieren der 280 Zentimeter langen Sonde, die zusammengeklappt 43 Zentimeter misst.

Lawinenrucksäcke

outville_lvs special-19

Eine gern missachtete oder unzureichend kommunizierte Tatsache, die trotz aller Weiterentwicklung und Innovation beim Thema Lawinenrucksack immer noch gilt: Der Airbag ist NUR eine Ergänzung, nur ein Plus an Sicherheit. Er ersetzt nicht LVS-Gerät, Schaufel und Sonde, er komplettiert höchstens die obligatorische Notfallausrüstung. Doch auch an diesem Ad-On, das die Überlebenswahrscheinlichkeit im Ernstfall steigert, tüfteln die Entwickler fleißig.

Evoc Line R.A.S 30 mit Mammut RAS Airbag 3.0 System

Der Evoc Line R.A.S. 30 ist ein leichter Lawinen-Airbag kompatibler Freeride- und Touren Rucksack mit 30 Liter Fassungsvolumen und 1.300 Gramm Gewicht. Dank dem “Boddy Hugging”-Prinzip (breite Hüftflossen) sitzt der Rucksack angenehm eng und damit stabil am Körper. Er ist mit dem 700 Gramm leichten Mammut RAS 3.0 Airbag System kompatibel, das mit einem Handgriff eingebaut und auch wieder ausgebaut werden kann. Dadurch entsteht mit rund 2.300 Gramm ein leichter Lawinenrucksack, der Trinksystem kompatibel ist sowie über diverse Fächer und Halterungen für Safety Equipment, Ski, Handy und Co. verfügt. Preis: Rucksack 260 Euro / Mammut RAS Airbag System 3.0 450 Euro / Mammut Carbon-Kartusche 150 Euro.

ABS A.Light Tour

Alles neu macht die Saison 2022. Das war das Motto beim Lawinenrucksack-Pionier ABS, der mit dem A.Light Tour ein neues Rucksackmodell mit Roll-Top-Verschluss entwickelt hat.  Der Look: sehr minimalistisch, stylisch, urban. Das Sicherheitssystem: weiterhin Prio bei ABS und wie bewährt mit zwei getrennten, voneinander unabhängigen Airbags, was den Rucksack im Vergleich zur Konkurrenz relativ schwer macht. Durch das patentierte ZipOn System lässt sich die Größe von 18 Liter auf 25 - 30 Liter beziehungsweise auf 35 - 40 Liter erweitern. Preis mit leichter Carbon-Kartusche ab 860 Euro.

Ortovox Avabag 30

Auch andere Firmen ruhen sich nicht auf Erreichtem aus, sondern arbeiten mit verschiedenen Ideen und in unterschiedliche Richtungen an der Verbesserung der Notfallausrüstung. Ortovox hat das leichteste Airbag-System auf dem Markt: Es wiegt nur 690 Gramm, was je nach Rucksack den man wählt, ein Gesamtgewicht von unter 2 Kilo ergibt. So wiegt der mit 30 Litern Fassungsvermögen mittelgroße Rucksack Ascent 30 Avabag nur 1.860 Gramm. Eine innovative Verschweißmethode ermöglicht ein besonders kleines Packmaß des Airbags, macht ihn gleichzeitig reißfest und dicht. Auch bei diesem System kann man ohne eingeschraubte Kartusche die Auslösung beliebig oft trainieren. Preis: 750 Euro.

Black Diamond Jetforce Pro Split 25L Avalanche Airbag Pack

Anders als Ortovox und ABS setzt Black Diamond  beim Jetforce Pro Split 25L , der in Zusammenarbeit mit Pieps entwickelt wurde, auf ein elektronisches System mit Düsengetriebe. Die Vorteile dabei: Der Airbag kann beliebig oft zu Übungszwecken ausgelöst werden. Nach einer Verschüttung leeren sich die Airbags außerdem nach drei Minuten automatisch, wodurch sich der Schneedruck auf die verschüttete Person verringert und eine Atemhöhle entsteht. Wie bei ABS können hier unterschiedlich große Zip-On-Bags (10, 25 und 35 Liter) je nach Platzbedarf angezippt werden. Preis: 1.240 Euro.

EQUIPMENT ERSETZT KEIN WISSEN!

Trotz aller Innovation, die Freeriden und Tourengehen sicherer macht: Die intelligente Ausrüstung ersetzt keinen Lawinenkurs. Und das Lawinenwissen will nicht nur einmal angelegt sein, sondern regelmäßig –  am besten einmal im Jahr – aufgefrischt werden. Eine sorgfältige Planung, angepasstes Verhalten und die Erfahrung, potentielle Gefahrenstellen im Gelände erkennen zu können sind die Grundlage für ein effektives Risiko Management. Um dieses Wissen zu vermitteln, bietet Ortovox im Rahmen der Ortovox Safety Academy in Kooperation mit rund 30 Bergschulen Sicherheitstrainings und LVS-Trainings für Einsteiger und Fortgeschrittene im gesamten Alpenraum an. 

Ebenso zu empfehlen sind die kostenlosen Basic Camps vom SAAC. SAAC steht für Snow and Alpine Awareness Camps und wurde vor 25 Jahren gegründet. Die Initiative will Wintersportler:innen ab 14 Jahren über alpine Gefahren aufklären und zu Eigenverantwortung erziehen. Neben den kostenlosen Basis Camps gibt es auch die SAACND Step Aufbaucamps für fortgeschrittenere Freerider:innen, die zum Beispiel tiefer in Tourenplanung, Geländekunde oder Schneekunde einsteigen wollen. 

Outville Lawinen Special SAAC Camps 2
Outville Lawinen Special SAAC Camps 3
Outville Lawinen Special SAAC Camps 1
Outville Lawinen Special SAAC Camps 4
Outville Lawinen Safety Special SAAC Camps 6
Outville Lawinen Special SAAC Camps 5

Außerdem empfehlen wir die Freeride und Touring Camps der snowacademy von Outville-Contributor Jochen Reiser. Er bietet jeden Winter auch individuelle Snow Safety Days an und vermittelt darüberhinaus das Einmaleins der Lawinenkunde auch in Form eines digitalen, zehnteiligen Snow Safety Workshops auf YouTube.

Ähnlich wie Jochen bietet auch Ortovox mit dem Safety Academy Lab Snow eine umfassende digitale Ausbildungsplattform, die die verschiedenen Aspekte des Lawinenrisikos erklärt. Thematisch aufgeteilt in fünf Bereiche (Lawinen Basics, Vorbereitet sein, Im Gelände. Lawinenabgang und Notsituation am Berg) wird entsprechendes Wissen und Know-How in Form von Video-Tutorials, Bild- und Texterklärungen vermittelt. 

Fotos: Produktbilder @Hersteller / Actionbilder @snowacademy by Marco Schmidt und @SAAC by Daniel Hug

Einmal pro Woche Outdoor
Inspiration ins Postfach?

Newsletter abonnieren
.