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Dieses Outdoor-Handbuch sollte jede Frau lesen!

„A Woman’s Guide to the Wild” ist ein englischsprachiges Outdoor-Handbuch für Frauen, das vom Feuermachen bis zum Outdoor-Sex wirklich jedes „Problem“ behandelt, mit dem sich Frau in der Wildnis konfrontiert sehen könnte – und dabei unglaublich lustig und inspirierend ist.

„Was für ein Hipster-Cover!“ – und: „Braucht’s das jetzt wirklich, ein extra Outdoor-Handbuch für Frauen?!?“ Das waren die zwei Dinge, die mir in den Kopf schossen, als ich das Buch „A Woman’s Guide to the Wild – your Complete Outdoor Handbook“ von Ruby McConnel zum ersten Mal in einem Blog-Artikel sah. Bestellt habe ich es trotzdem und mitgenommen zu einem Wochenendtrip mit dem VW-Bus ins Ötztal, der dann ganz spontan noch übes Timmelsjoch bis ins Passeiertal ging. An regelmäßigen „hm“s vom Beifahrersitz stellte meine Begleitung fest, dass ich, die ich mich durchaus als Outdoor-Kennerin bezeichnen würde, noch Überraschendes las, an herzhaftem Lachen, dass das Überraschende obendrein noch amüsant verpackt war und an wiederholtem „Genau!“, dass ich ich mich schon nach den ersten drei Seiten UNFASSBAR verstanden fühlte.

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Die Autorin wuchs – ähnlich wie ich – in der städtischen Umgebung von Portland, Oregon auf. Ihre Mutter war zwar nicht besonders „outdoorsy“, aber verfolgte für ihre drei Töchter eine strenge „go outside and play policy“. Ruby schreibt: “We were generally encouraged to explore, observe, and get dirty.“ In Jugendsommer-Camps lernt Ruby – ähnlich wie ich – das Leben draußen in der Natur noch besser kennen und lieben. Die Betreuer dort waren Superhelden für sie, konnten sie doch scheinbar ewig wandern, im stärksten Regen Feuer machen und die wildesten Pferde reiten. Sie suchte sich ihren eigenen Platz „da draußen“ – und fand ihn.

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Erst als sie erwachsen wurde, fühlte sie sich nicht mehr willkommen in dieser Welt, die doch eigentlich zur Heimat für sie geworden war: „Regardless of how much time I spent outside, how far into the backcountry I went, or what kinds of challenges I took on, there seemed to be an underlying current – a low hum of voices from the media, the mainstream, and men - insisting that the wilderness was no place for women.“ Ruby verschwendete wie sie schreibt eine Menge Zeit, um zu beweisen, dass auch sie einen Platz in dieser Welt verdient hat. Hätte sie nicht ein paar weibliche Mentoren gehabt, hätte sie vielleicht aufgegeben, schreibt sie.  

„I have worried for days before a trip, hoping I could keep up, hoping the weather would hold out, and worried that expressing my doubts would cast me as unqualified for the adventure.“

Welche Frau sich wie ich schon mal den Kopf zerbrochen hat, ob sie sich zu einem „Pro Skitourencamp“ überhaupt anmelden kann oder eine Woche vorm Ausflug in die Schweiz zum gemeinsamen Tourengehen mit den Skilehrer-Freunden vor Angst völlig zu versagen, nicht mehr schlafen konnte, weiß sehr gut, wovon Ruby da schreibt.

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Wie verteile ich das Gewicht in meinem Rucksack, woran erkenne ich, ob der Sport-BH passt, wie gehe ich mit einem Kompass um, wo baue ich am besten mein Zelt auf, welche Zelte gibt es überhaupt und welches eignet sich am besten für welchen Trip, was brauch’ ich für meine Camping-Küche, wie les’ ich das Wetter, wie mach’ ich Feuer – und was tu’ ich wenn das Holz nass ist? All diese Fragen und noch viele mehr beantwortet Ruby in ihrem Outdoor Guide – stets mit einem Augenzwinkern. Gut so, denn manchmal sind die Tipps naheliegend, ab und an sogar etwas banal oder der Herkunft der Autorin geschuldet auch einfach nur sehr amerikanisch – oder haben wir Europäerinnen etwa auch so große Probleme mit dem Outdoor-Toilettengang?!?

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Falls ja, sei das „how-to for a trouble free-squat“ oder das Kapitel „do it standing up“ empfohlen. Amüsant sind diese Zeilen allemal, auch für routinierte Draußen-Pinklerinnen. Und wenn frau schon mal in dieser Ecke des Guides stöbert, sollte sie sich zwecks der Gaudi auf den nachfolgenden Seiten auch gleich darüber aufklären lassen, dass die Menstruation entgegen aller Vorurteile weder Bären, noch Haie, Wildkatzen oder Moskitos anzieht – auch wenn diese Tiere in den bayerischen Voralpen ohnehin eher selten gesichtet werden.

„Wait until you get home to check e-mail or post pictures and comments about your trip onto social media. Remind yourself what it’s like to be engaged rather than entertained, or to simply entertain oneself. If you are not used to this, try it. Listen to your own thoughts, the thoughts of others, or the sound of the wild. Immerse yourself in the present moment, without translator or interface.“

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Ruby findet es nicht so cool, sich draußen ständig hinterm Smartphone zu verstecken, aber völlig in Ordnung, sich in der Wildnis die Wimpern zu tuschen, wenn man sich dann einfach wohler fühlt. Und ja, Outdoor-Sex ist zwar romantisch, aber auch sehr unbequem - natürlich hat sie trotzdem auch dafür ein paar Tipps auf Lager. Allen Empfehlungen gemein ist neben dem humorvollen Unterton die Message: Tu’ was dir gut tut, nimm mit was du brauchst, um dich wohl zu fühlen, quäl’ dich nicht unnötig, pass’ auf dich auf. „A Woman’s Guide to the Wild“ ist ein Handbuch, das so viel mehr ist als nur ein Handbuch. Das 17,99 Euro teure und fast 300 Seiten dicke Taschenbuch berät erst im zweiten Schritt, im ersten unterhält und inspiriert es. Und gerade deswegen ist es auch für alte, erfahrene Outdoor-Füchsinnen lesenswert.  

„Let your hair frizz and your nails chip, wear clothing that is comfortable and easily washed, get dirty, get outside, go wild.“

Ruby McConnell auf Instagram

Mehr Infos: www.rubymcconnell.com

Illustrationen: © Teresa Grasseschi

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