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Trails, die kein Mensch hätte besser bauen können

Von Marrakesch aus wie Nomaden durch das Land der Berber ziehen – Fotograf und Outville-Kontributor Carlos Blanchard war mit den Mountainbikern Julia Hofmann, Daniel Schäfer und Andreas Tonelli durch Marokko unterwegs. Seine Eindrücke hat er in Bildern festgehalten – ein Foto-Essay.

Ich erinnere mich an die Gitarre, die Drums, die klatschende Hände. Es klingt wie ein Blues. Der Fahrer dreht lauter. „What is this?“, frage ich ihn. „It’s Tuareg Music“, antwortet er. Damit ist das Gespräch auch schon vorbei. Sein Englisch ist nicht das beste. Wir verstehen uns trotzdem, die Musik baut eine Brücke zwischen uns. Er singt mit und ich rutsche tiefer in den ausgesessenen Sitz, genieße den frischen Wind, der durchs Fenster weht und hoffe, dass diese Fahrt ins Atlas Gebirge noch ein bisschen dauert. Die Zeit im Auto ist der einzige entspannte Moment des Tages, dann haben wir Zeit innezuhalten, nachzudenken. Nach einer Weile kommen wir auf einem ruhigen und einsamen Plateau bei Amizimiz auf 1.900 Metern an. Diesen Ort haben noch nicht viele Touristen gesehen. Hier startet unsere erste Mountainbike Tour auf dem afrikanischen Kontinent: 18 Kilometer Singletrail.

Rote Hügel, schwarzer Sand, brauner Fels – eine Landschaft voller Farben. An diesem Ort zu mountainbiken nimmt dir den Atem. Das für uns unbekannte Gelände, die Schichten verschiedenen Gesteins und diese schier endlosen Trails: Alte Tramplpfade von Maultieren und Eseln verbinden Dörfer und Täler, die von der Außenwelt scheinbar abgeschnitten sind, ein abwechslungsreiches Netzwerk an Trails – mal flowig, mal technisch. Obwohl die Trailbauer hier Tiere sind, sind die Trails wie für uns gemacht: ein Anlieger hier, ein Sprung dort.

Immer wenn wir in einem neuen Dorf ankommen, rennt uns eine Gruppe schreiender Kinder hinterher. Sie schnappen sich unsere Räder und fahren damit herum, bis sie hinfallen. Die Familien, die hier draußen leben, ohne großen Luxus, ohne Auto, Internet, Mobiltelefone und Elektrizität, laden uns in ihre Häuser ein, teilen mit uns ihre Speisen. Schnell, bunt und auf unseren teuren Fahrrädern müssen wir auf sie wirken, wie Eindringlinge aus einer anderen Welt. Ich fühle mich wie ein vom Sturm der modernen Welt getriebes Sandkorn, hineingeworfen in dieses ursprüngliche Leben, geprägt von Traditionen, versteckt mitten im Atlasgebirge. Ich versuche ihre tief verwurzelte Zufriedenheit aufzusaugen. Und nicht nur die Bilder der unverwechselbaren Landschaft mit nach Hause zu nehmen, sondern auch die Ruhe dieser tiefverwurzelten Menschen.

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