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Herbstklassiker: Mit dem Gravelbike durchs Karwendel

Tief eingeschnittene Täler, steil aufragende Felswände, Almwiesen, kleine Hütten, rauschende Gebirgsbäche, endlose Schotterwege und im Herbst gülden leuchtende Bergahorne und Lärchen. Outville stellt euch eine traumhafte Gravelrunde durchs Karwendel vor, von Mittenwald zum Hochalmsattel und über den kleinen Ahornboden und das Isartal wieder zurück.
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Das Karwendel: wild, alpin und landschaftlich einfach spektakulär. Für viele ein Happy Place zum Bergsteigen, Wandern, Skitourengehen und Mountainbiken. Für mich war es vor allem Letzteres. Kennengelernt habe ich das Karwendel in den 90ern – dank Elmar Moser und seinen legendären Bike-Guides. Für viele Mountainbiker, mich eingeschlossen, waren die Bücher damals die einzig wahre Quelle für richtige Mountainbiketouren. Im Laufe der Jahre bin ich einen Großteil der Touren aus dem Moser Bike Guide 2 nachgefahren. Viele davon mehrfach. Eine davon ist Tour 36: Von Mittenwald um die Karwendelspitzen. Knapp 70 Kilometer, rund 1.800 Höhenmeter und für mich einer der MTB-Klassiker im Karwendel schlechthin.

Die Runde ist landschaftlich der Knaller, fahrtechnisch aus heutiger Mountainbike-Sicht allerdings eher weniger. Überwiegend auf breiten Schotterwegen geht es von Mittenwald entlang der Isar nach Scharnitz und weiter durchs Karwendeltal hinauf zum Karwendelhaus und Hochalmsattel. Anschließend hinunter zum Kleinen Ahornboden, durchs Johannestal ins Rißtal und über die Vereiner Alm zurück nach Mittenwald.

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Das Gravelbike als schnelle Schotterstraßenalternative zum Mountainbike

Dann kam das Gravelbike. Und plötzlich waren einige dieser alten Moser-Klassiker wieder interessant. Denn was früher als langweilige Forststraße durchging, ist heute Gravel-Spielplatz. Schotter, leichte technische Passagen und flowige Pfade sind plötzlich genau das, was Spaß macht. Ein bisschen erinnert mich das an meine ersten Mountainbike-Jahre auf Hardtails – ohne Federgabel, ohne Dropper, ohne Scheibenbremsen, dafür mit 150-Millimeter-Vorbau und reichlich Gerüttel. Nur dass es heute leichter, schneller und dank Scheibenbremsen deutlich komfortabler zur Sache geht.

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Die Karwendelrunde à la Gravel

Also zurück zum Karwendel. Fürs Gravelbike habe ich die ursprüngliche Runde etwas angepasst, sodass sie komplett fahrbar ist und ohne Schiebepassage auskommt. Heraus kommt ziemlich genau das, was man sich von einer coolen Gravelrunde in den Bergen wünscht: lange Schotterpassagen, alpine Landschaft, einsame Täler und jede Menge Gravel-Flow. Knapp 80 Kilometer und rund 1.300 Höhenmeter stehen am Ende auf der Uhr – und jede Menge Karwendel-Momente, die ganz sicher im Kopf bleiben.

Los geht’s in Mittenwald. Entlang der Isar rollen wir zunächst Richtung Süden, bevor die Route in Scharnitz ins Karwendeltal abbiegt. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft alpiner. Das Tal zieht sich tief hinein in den Naturpark Karwendel, mit 739 Km2 der größte Naturpark Österreichs. Zwischen gewaltigen Felswänden, meist in Sichtweite zum rauschenden Karwendelbach, schlängelt sich die kompakte Schotterstraße gemächlich nach oben. In der Ferne der tief eingeschnittene Hochalmsattel, eingerahmt von der Östlichen Karwendelspitze und dem Hochalmkreuz.

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Nach einem offenen Almgelände mit fünf Hütten beginnt der eigentliche Schlussanstieg. Kehre für Kehre geht es hinauf zur Hochalm und weiter zum höchsten Punkt der Runde: dem 1.803 Meter hohen Hochalmsattel. Immer wieder taucht das Karwendelhaus hoch über dem Tal auf. Von unten wirkt es fast so, als hätte jemand die Hütte einfach an den Fuß des Hochalmkreuzes geklebt. Je höher wir kommen, desto kleiner werden die Hütten im Tal – und desto mächtiger die Felswände ringsum.

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Wer Lust auf einen Einkehrschwung hat, macht kurz vor dem Hochalmsattel noch den Abstecher zum Karwendelhaus. Rund 500 Meter und ein paar Höhenmeter sind es hinüber zur Hütte, die normalerweise von Anfang Juni bis Anfang Oktober geöffnet ist. Danach ist der Hochalmsattel nur noch einen Katzensprung entfernt.

Oben angekommen, ändert sich die Perspektive schlagartig. Der Sattel markiert nicht nur den höchsten Punkt der Tour, sondern auch den Übergang ins Johannestal. In der Ferne steht die Falkenhütte winzig vor den senkrechten Laliderer Wänden. Auch die Tour dorthin gehört zu den großen Mountainbike-Klassikern im Karwendel und wird von konditionsstarken Bikern gerne mit der Karwendelrunde kombiniert.

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Wir begnügen uns mit einer Brotzeit, genießen das beeindruckende Bergpanorama und beobachten seniore E-Bike Gangs, wie sie geschmeidig Richtung Kleiner Ahornboden ruckeln. Vor uns liegen knapp 400 Höhenmeter feinster Schotter-Downhill auf einem groben, teilweise steinigen Weg, der sich in zahlreichen Kehren ins Johannestal herunter schraubt, eingerahmt von der Nordostflanke der 2.749 Meter hohen Birkkarspitze, zu deren Füßen eine Gruppe Gämse chillt.

Gerade im Herbst ist dieser Abschnitt ein kleines Landschaftskino. Bergahorne und Lärchen färben sich gelb und orange und leuchten zwischen dem satten Grün der Tannen und dem Grau der Felswände. Der Kleine Ahornboden ist – wie der Name schon sagt – der kleine Bruder des berühmten Großen Ahornbodens. Kleiner, ruhiger und für meinen Geschmack sogar schöner. Vor allem, weil man ihn nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichen kann.

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Ab hier wird der Untergrund wieder schneller. Auf breitem Schotter fliegen wir regelrecht durch das Johannestal Richtung Rißtal. So machen breite Schotterstraßen bergab richtig Bock. Spektakulär wird es dann nochmals kurz vor dem Talende, wo der Weg schmal oberhalb einer tief eingeschnittenen Schlucht verläuft, durch die sich der Johannesbach seinen Weg ins Rißtal gebahnt hat.

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Im Tal angekommen, geht es über Hinterriß talauswärts Richtung Isartal. In Vorderriß biegen wir auf die Mautstraße Richtung Wallgau ab, verlassen diese aber nach gut einem Kilometer wieder und wechseln über eine Brücke auf die linke Uferseite. Jetzt folgen wir der türkisfarbenen Isar auf Schotter im entspannten Auf und Ab bis nach Krün und von dort auf schmaleren Wegen wieder zurück nach Mittenwald.

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Mountainbike-Klassiker hin oder her: Mit dem Gravelbike bekommt die Karwendelrunde für mich einen spannenden Twist. Sie verbindet genau das, was eine gute alpine Gravelrunde ausmacht: großartige Landschaft, Höhenmeter, Schotter und Forststraßen Flow.

Und Mittenwald ist by the way eine interessante Base für Gravelbike Touren. Denn wer nach der Karwendelrunde noch nicht genug hat, kann zum Beispiel direkt den nächsten Moser-Klassiker in Angriff nehmen: Tour 37 „Von Garmisch um das Wettersteingebirge“. Landschaftlich auch der Knaller und mit über 2.000 Höhenmetern ein echtes Brett für konditionsstarke Biker.

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Christian ist im Allgäu aufgewachsen und lebt mittlerweile mit seiner Familie am Staffelseee. Er liebt Campen und Kochen auf dem Einflammen-Outdoor-Herd. Wenn er nicht mit seinen zwei Jungs über Trails jagt, in den Monti Sibillini auf Trüffelsuche geht und Unternehmen in Sachen Brand Strategy berät, sitzt er entweder auf seinem Gravelbike, gleitet auf Pommesski über Skatingloipen oder zieht mit breiten Tourenski los. Bevorzugt vor der Haustüre, im Karwendel, in den Dolomiten und am Gardasee. Immer dabei eine gute Brotzeit und ein Wechselshirt.

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