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Care & Repair Tipps für Funktionsbekleidung

Wir alle haben unsere Lieblingsfunktionsbekleidung, die uns ans Herz gewachsen ist. Und damit wir sie möglichst lange tragen können und Freude daran haben, haben wir zusammen mit Patagonia ein paar Pflege- und Reparatur-Tipps zusammengestellt.
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Die Welt ein klein wenig besser machen – mit Nadel und Faden. Das ist unter anderem die Mission von Patagonia. Die Firma fordert dazu auf, der Wegwerfgesellschaft die lange Nase zu zeigen und Co2, Abfälle sowie (Ab-)wasser zu sparen, indem man alte und kaputte Outdoor-Kleidung repariert, statt sich etwas Neues zu kaufen. So wurden vom kalifornischen Outdoorunternehmen im Geschäftsjahr 2025 weltweit insgesamt 174.799 Produkte in den eigenen Reparaturzentren und Stores sowie bei mobilen Worn Wear Touren repariert. Ein wesentlicher und noch immer vernachlässigter Faktor, um die Lebensdauer von Produkten zu verlängern, ist neben der Reparatur die richtige Pflege. 

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Matthias Brustmann_Patagonia Team_Credit Clemens Helbich_Patagonia
OV_Patagonia Worn Wear Field Repair Kit
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Deshalb haben wir uns dazu mit Matthias Brustmann ausgetauscht, der als Retail Repair Tech Specialist bei Patagonia in München arbeitet und jahrelange Erfahrung in diesem Bereich mitbringt. Er teilt mit uns wertvolle Reparatur- und Pflegetipps für Funktionsbekleidung, damit einer erlebnisreichen Freeride- und Skitourensaison nichts mehr im Wege stehen kann.

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Sieben Fragen und Antworten zum Thema Reparatur von Funktionsbekleidung

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Was unterscheidet Funktionsmaterialien von normalen Stoffen bei der Reparatur?

Da Outdoor-Textilien oft aus technischen Materialien bestehen, haben sie andere Anforderungen in der Reparatur als zum Beispiel normale Baumwollstoffe. Risse und Löcher werden daher eher geklebt als genäht. Vor allem bei Shell- und Isolierjacken im Outdoorbereich haben wir es fast immer mit Nylon oder Polyester Gewebe zu tun. Oftmals auch mit Laminaten, einer fest verbundenen Konstruktion aus mehreren Schichten wie Obermaterial, Membran und Futter. Diese werden mit sogenannten DWR (durable water repellent) Imprägnierungen behandelt, um einen Wasserabperleffekt zu erhalten. Kleine Risse oder Schnitte können bei diesen Materialien oft mit Hilfe von selbstklebenden Tapes oder mit Hilfe einer Transferpresse mit Hitze von außen und von innen verklebt werden. Beim Vernähen werden die Nähte im Nachhinein häufig mit dichtenden Tapes von innen versiegelt.

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Was sind typische Schäden, die vom Ski- und Snowboardfahren herrühren, die ihr repariert?

Bei Skihosen sind die mit Sicherheit häufigsten Schäden Schnitte von Skikanten im Bereich der unteren Beine. Bei Snowboarder:innen kommt es des Öfteren vor, dass sie vom Tragen des Snowboards seitlich an der Jacke Schnitte und Abnutzungen haben. Bei Tourengeher:innen kommt hinzu, dass durch das Gehen mit Steigeisen immer wieder Risse und Cuts an den Beinen entstehen.

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Wie lässt sich provisorisch ein Loch in einer Daunen- oder Primaloftjacke schließen?

Zunächst einmal sollte das Material trocken sein. Man kann sich vorab kleine, ovale oder runde Patches zurechtschneiden (damit sich keine Ecken lösen können) und diese mit einem stumpfen Gegenstand fest auf das Material aufreiben. Am besten von der Mitte des Patches über die Ränder hinaus. Bei größeren Rissen oder Triangeln empfiehlt es sich Streifen zu schneiden, die links und rechts etwa einen Zentimeter überlappen und damit die Risse zu verschließen. Dabei sollte man darauf achten, dass der Schnitt sauber liegt, um Falten zu vermeiden. Tenacious Tape kann durchaus auch eine Möglichkeit sein, ein Loch längerfristig zu schließen. Wenn es richtig aufgeklebt wird, hält es bis zu sieben Waschgänge.

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Wie gehe ich mit Löchern in Merino Unterwäsche um und was kann ich tun, dass möglichst gar keine entstehen?

Das Problem mit Merino Unterwäsche kennt vermutlich jede:r. Auf einmal hat man kleine Löcher, oder sogar einen Riss, der sich schnell ausweitet. Merinowolle ist ein sehr weiches, anschmiegsames und natürlich antibakterielles Material, was sie nicht zuletzt so beliebt macht. Allerdings ist sie deshalb auch bei weitem nicht so strapazierfähig wie beispielsweise Polyester und das merkt man vor allem bei sehr dünnen Materialstärken. Es lohnt sich bei der Pflege darauf zu achten, ein Wollwaschmittel zu verwenden. Feinwaschmittel oder gar Weichspüler tragen eher dazu bei, dass die Wolle spröde wird und noch leichter reißt. Beim Waschen sollte außerdem darauf geachtet werden, dass keine Teile mit Reiß- oder Klettverschlüssen mit in der Trommel sind, die Fäden ziehen oder sogar Löcher reißen können. Im Zweifelsfall kann ein Wäschesack helfen. 

Sollte es jedoch zu spät sein und das Loch bereits da sein, gibt es ein paar Reparaturmöglichkeiten. Kleine Löcher kann man bei Wolle hervorragend mit Oma's Stopfei und Nadel und Faden beheben. Es gibt sogar spezielle Stopfgarne, die etwas flauschiger sind und sich perfekt eignen, Löcher auch optisch gut zu verschließen.

Bei größeren Rissen sollte man zunächst auf der Innenseite eine Bügeleinlage, zum Beispiel Vlieseline, aufbringen. Dies ist ein dünner Stoff, der mit einem Klebefilm beschichtet ist und mit dem Bügeleisen aufgebracht wird. Dazu legt man das Material flach aus und schiebt den Riss so gut wie möglich zusammen. Anschließend bügelt man ein Stück der Einlage auf, die gerne ein paar Zentimeter ringsherum überlappen darf. Das verstärkt die Merinowolle so, dass man den Riss mit der Nähmaschine oder per Hand übernähen kann. Ohne die Bügeleinlage würde die Wolle entlang der vernähten Stellen schnell wieder einreißen.

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Was kann man tun, wenn ein Reißverschluss hakt oder sich der Schieber löst?

Reißverschlüsse verschleißen mit der Zeit, was meistens dazu führt, dass sie nicht mehr sauber laufen, haken oder sich sogar von unten her öffnen. Dem kann man entgegenwirken, indem man mit Zipper Cleaner & Lubricant beispielsweise von Gear Aid regelmäßig die Zähne oder Spirale behandelt. Das hält den Schieber geläufig und mindert den Verschleiß. In manchen Fällen empfiehlt es sich, aus dem unteren Port des Reißverschlusses mit einer Nadel Schmutz zu entfernen. Es ist durchaus für jeden machbar, einen gebrochenen Schieber auszutauschen. Das setzt allerdings etwas Fingerspitzengefühl und vor allem einen geeigneten Ersatzschieber voraus. Hier wird einfach erklärt, wie das funktioniert.

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Welche kleinen Reparaturen kann man selbst am Berg oder im Urlaub durchführen?

Ich empfehle immer etwas Gear Aid oder Tenacious Tape mitzunehmen, da man damit kleinere Schnitte und Risse schnell und unkompliziert verschließen kann. Dadurch lässt sich verhindern, dass Feuchtigkeit in das Kleidungsstück eindringt und der Riss nicht weiter aufreißen kann. Wenn man zusätzlich ein Reisenähset besitzt, können auch Knöpfe, Löcher oder Risse wieder an- oder zugenäht werden.

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Was gehört in ein minimalistisches "Reparatur-Set" für unterwegs?

Etwas Gear Aid oder Tenacious Tape, Nadel und Faden und eine kleine Schere. Ein paar Sicherheitsnadeln können beispielsweise einen ausgerissenen Reißverschluss zusammenhalten. Zipper Lubricant kann auch nicht schaden, wenn der Reißverschluss mal hakt.

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Allgemeine Pflegetipps für Shell-und Isolationsprodukte

Grundsätzlich ist zu sagen, dass für alle technischen Materialien wie bei Shells, Isolationsjacken mit Daunen- oder Hohlfaserfüllungen, regelmäßiges Waschen und Pflege wichtig ist. Salze aus Schweiß, Fett, Sonnencreme etc. können beispielsweise Verklebungen von wasserdichten Jacken angreifen und zu Delamination führen. Daune verliert im Laufe der Zeit an Volumen und damit auch an Isolationsfähigkeit. Im Folgenden gibt es ein paar Tipps zur Pflege der einzelnen Produktgruppen.

 

Produkte, die mit Daunen gefüllt sind,

sollten immer mit einem Daunenwaschmittel bei 30°C gewaschen werden. Das erhält die natürliche Fettung der Daune und hilft dabei, sie geschmeidig zu halten und nach dem Trocknen wieder die gewünschte Fillpower zu bekommen. Normale Waschmittel lassen Daune dagegen schneller spröde werden und brechen, was schneller zu verminderter Isolation führt. Für das Trocknen der Daune ist ein Wäschetrockner unabkömmlich. Durch die Bewegung in der Trommel in Verbindung mit der warmen Luft wird die beim Waschen verklumpte Daune wieder aufgeplustert. In manchen Fällen kommt es vor, dass sich eine Kammer nach dem Trocknen leer anfühlt. Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass beim Schleudern alle Daunen in eine Ecke verschoben wurden. Meine persönliche Empfehlung wäre deshalb auch das Schleudern auf ein Minimum zu begrenzen, oder eventuell ganz wegzulassen. In diesem Fall sollte man versuchen, die Daunen manuell ein wenig zu verteilen und danach den Trockenvorgang zu wiederholen. 

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Hardshells oder Softshells

sollten, je nachdem wie häufig man sie im Einsatz hat, mindestens einmal in der Saison, aber bei "Heavy Use" auch gerne öfter bei 30° C in der Maschine gewaschen werden. Auch hierfür gibt es optimierte Waschmittel, die das Herauswaschen der Imprägnierung minimieren, aber dafür sorgen, dass Salze und Fette aus dem Gewebe gespült werden. Zwischendurch, insbesondere nach längeren Touren, hilft es auch eine Jacke oder Hose einfach mal unter der Dusche von innen abzubrausen und so zumindest einen Teil der Verschmutzungen heraus zu spülen. Dem typischen Kragenschmutz darf man gerne auch mal mit einer Bürste, etwas Kernseife und lauwarmen Wasser zu Leibe rücken.

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Wie man die DWR-Ausrüstung bei Shell-Produkten wieder aktiviert und richtig imprägniert

Die Imprägnierung oder DWR-Ausrüstung bei wasserabweisenden Jacken und Hosen erfüllt den Zweck, das Obermaterial frei von Wasser zu halten. Mit Wasserdichtigkeit hat das zunächst mal nichts zu tun, spielt aber trotzdem eine große Rolle, ob man trocken bleibt. Die Dampfdurchlässigkeit von Hardshells hängt nämlich entscheidend davon ab, wie schnell und wie viel Dampf durch die Membran nach außen gelangen kann. Wenn sich das Obermaterial einer Jacke vollsaugt, bildet sich ein kalter Wasserfilm, der die Poren der Membran verschließt und den Dampf auf der Innenseite schneller kondensieren lässt. Das kann sich durchaus so anfühlen, als wäre die Jacke undicht. Deshalb ist es wichtig, die Imprägnierung regelmäßig zu reaktivieren oder zu erneuern.

Dafür ist wichtig zu verstehen, dass eine DWR-Ausrüstung keine geschlossene Beschichtung ist, sondern wie viele kleine, senkrecht stehende Härchen auf dem Obermaterial sitzt. Auf diesen Härchen bleiben Wassertropfen mit ihrer Oberflächenspannung liegen und perlen ab. Werden diese Härchen nun durch mechanische Beanspruchung, oder beispielsweise Fett von Sonnencreme abgenutzt oder verklebt, saugt sich die Nässe ins Gewebe. Regelmäßiges Waschen und anschließendes Behandeln mit Wärme, zum Beispiel im Wäschetrockner oder einem Haarföhn, kann diese Härchen wieder bis zu einem gewissen Grad aufrichten.

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Es gibt unterschiedliche Produkte wie Einwasch- oder Sprühimprägnierungen zum Beispiel von Nikiwax. Damit kann man Produkte, die gar nicht mehr abweisen wollen, von Zeit zu Zeit nachbehandeln. Dabei bietet es sich an, Jacken und Hosen nach dem Waschen in noch feuchtem Zustand einzusprühen, da sich die Imprägnierung so besser in das Obermaterial saugen kann. Einwaschimprägnierungen werden beim Waschvorgang in das Weichspüler-Fach gegeben. Dabei wird allerdings auch die Innenseite der Jacke mitbehandelt. In beiden Fällen sollte man die Teile auch hier anschließend mit Wärme behandeln, um das beste Ergebnis zu erzielen. 

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Fotos: @Patagonia /@AndrewBurr (Aufmacher) /  @MaxDraeger (Ski)

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Christian ist im Allgäu aufgewachsen und lebt mittlerweile mit seiner Familie am Staffelseee. Er liebt Campen und Kochen auf dem Einflammen-Outdoor-Herd. Wenn er nicht mit seinen zwei Jungs über Trails jagt, in den Monti Sibillini auf Trüffelsuche geht und Unternehmen in Sachen Brand Strategy berät, sitzt er entweder auf seinem Gravelbike, gleitet auf Pommesski über Skatingloipen oder zieht mit breiten Tourenski los. Bevorzugt vor der Haustüre, im Karwendel, in den Dolomiten und am Gardasee. Immer dabei eine gute Brotzeit und ein Wechselshirt.

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Outdoor Inspiration
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