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Zugspitze Skitour Skifahren 13

Einmal Zwischenspeicher löschen, bitte!

Sogar direkt neben einer der größten Touri-Attraktionen Deutschlands kann man totale Outdoor-Einsamkeit erleben – und unverspurten Pulverschnee finden. Vorausgesetzt man wählt seine Tour klug und entscheidende Lifte fahren noch nicht. Fotograf Anton Brey und Freerider Max Kroneck haben auf der Zugspitze kurz mal den Reboot-Knopf gedrückt.
Text & FotosAnton Brey

Kurz vor dem offiziellen Start der Wintersaison, wenn es schon den ersten Schnee hat, ist es in den Skigebieten so wie früher überall in den Bergen: menschenleer. Ein einsames alpines Winterwonderland. Welch Zauber Schnee doch verursachen kann, wenn er alles überdeckt. Dieses besondere Lichtspiel aus Kontrasten fasziniert mich immer wieder. Die Umrisse der schroffen Berge kommen dann noch mehr zur Geltung, dahinter der klare, blaue Himmel, der kaum schöner sein kann als jetzt, wenn die Sonne so niedrig steht.

Vor gut einer Woche hat die Zugspitzbahn auf dem Platt wegen des vielen Schnees alle Lifte bis auf den Brunntallift eingeschalten. Zusammen mit Max Kroneck mache ich mich deshalb auf den Weg zum Eibsee. Wenn der Brunntallift nicht läuft, dann ist im unteren Bereich vom Weißen Tal bis hinüber zur Plattenspitze mit Sicherheit kein Skifahrer unterwegs. Kein Skifahrer, keine Spuren, dafür aber frischer Pulverschnee.

Vor dem ungestörten Powdergenuss steht allerdings der Zustieg. Und wenn man nicht drei Stunden die Ski den Berg hinauf tragen will, um den Schnee zu erreichen, kommt man nicht umhin eine mechanische Aufstiegshilfe zu wählen. Da die Zugspitzseilbahn gerade neu gebaut wird, kanalisiert sich der gesamte Betrieb auf die Zahnradbahn.

Oben angekommen flüchten wir, ohne uns lange im Getümmel aufzuhalten. Wir verlassen die Pisten und fahren Richtung Wächtenabfahrt. Nach nicht einmal fünf Minuten sind wir raus. Nur wir und die verschneiten Berge.

Sofort vergessen wir den Stress in der Bahn. Draußen zu sein, lässt mich sowieso so manches vergessen. Es muss nicht immer der Gipfel sein, oft reicht es schon, am Parkplatz ein paar hundert Meter in den Wald zu gehen. Es wird plötzlich still, ich höre nur noch die Natur, der Körper fährt herunter – einmal rebooten bitte – der Zwischenspeicher wird gelöscht.

Mittlerweile haben wir die Knorrhütte erreicht, wir ziehen die Felle auf, trinken einen Schluck aus der Thermosflasche und steigen auf. Gelegentlich sehen wir den Wetterwandecklift, nehmen ihn aber nicht wirklich wahr. Wie auch, wir sind hier ja auf Skitour und warum sollte da ein Lift sein.

Der Mittag ist schon vorbei, als wir zurück in die Parallelwelt gehen. Zurück im Skigebiet erwachen wir aus unserem Traum. Oder beginnen wir nun zu schlafen? Egal. Wir treffen Freunde im Lift und beschließen, unser Tagesticket noch zu nutzen. Auch wenn es in der mit Liften und Gondeln erschlossenen Parallelwelt unter all den anderen Skifahrern nicht ganz so schön ist, wie in unserem einsamen Wintertraum. 

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