Outville Norwegen Mattias Larsson 13

Unperfekte Perfektion

Auch wenn Bilder in Touri-Katalogen über Norwegen anders und perfekter aussehen, als die Fotos, die Outville Textchefin Katharina von ihrem Trip mitbrachte: Sie hat sich in Norwegens wilde Seele verliebt und wird definitiv zurück kommen.

Die finnischen Instagram Brüder Konsta und Joonas Linkola, die schwedische Fashionbloggerin Nina Sandbech, der österreichische Freerider Tao Kreibich, die Peak Performance Ladies Ylva Ridderheim, Anna Bohgard und Maria Kjeldstad und ich, die deutsche Journalistin. So unterschiedlich wir waren, es gab doch etwas, das uns vereinte: Dieser Ski and Sail Trip nach Norwegen war eine Reise aus unseren Träumen und Nordnorwegen für uns alle ein Sehnsuchtsort. Jeder von uns hat schon immer davon geträumt, mit dem Schiff durch norwegische Fjorde zu schippern, die umliegenden Berge zu erklimmen, um anschließend bis zum Meer abzufahren.

Die „alte Dame“ MS Nordstjernen

Vergangenes Jahr im April wurde dieser Traum wahr. An einem Montag nachmittag checkten wir im Hafen von Tromsø auf der MS Nordstjernen ein. Das denkmalgeschützte Schiff wird von der Besatzung liebevoll „alte Dame“ genannt und hat sich diesen Kosenamen mehr als verdient. Von 1956 bis 2012 war die MS Nordstjernen an der Küste Norwegens im Linienverkehr im Einsatz – länger als kein anderes Schiff der Hurtigruten, also der traditionellen Postschifflinie, die seit 1893 die Orte der über 2.700 Kilometer langen norwegischen Westküste verband. Der Postverkehr wurde 1984 eingestellt, die Hurtigruten-Strecke ist seither vor allem als Touristenattraktion international bekannt.

Der wunderschöne Holzboden, die Möbel im 50ies Style, das Flair der alten Dame MS Nordstjernen in Kombination mit dem perfekten Wetter über Tromso – wir fühlten uns wie in einer Filmkulisse, als wir den Hafen am Abend Richtung Senja, der zweitgrößten norwegischen Insel verließen. Und selbst die gut betuchten Gäste der ersten Klasse der Titanic können nicht besser gespeist haben als wir beim Dinner. Trotzdem wünschte sich mancher am Buffet nicht so großzügig aufgeladen zu haben, als die Dunkelheit hereinbrach und die See rauer wurde. Kurz vor Mitternacht ankerten wir in einer Bucht vor Senja. Das Schiff lag wieder ruhig und doch war die erste Nacht in einer Kajüte für die meisten von uns so aufregend, dass wir kaum Schlaf fanden.

Senja, Vanna und Ringvassoy

Am nächsten Tag stiegen wir ins Motorboot zu einem Mitarbeiter der Hurtigruten, den zumindest sein Bart, seine langen Haare und die Ohrringe als echten Seemann qualifizierten und der offenbar Spaß daran hatte, bereits die kleine Überfahrt von der alten Dame ans Land für uns möglichst actionreich zu gestalten. Am Strand zogen wir die Felle auf und stapften los. An diesem ersten Tag wollte das norwegische Wetter uns offenbar direkt sein komplettes Repertoire vorführen. Es war wirklich alles dabei – von heftigem Schneefall über Starkwind bis zur Sonne, die genau im richtigen Moment durch die Wolken spitzte. Nämlich dann, als wir die Abfahrt antraten und unsere Schwünge mit Blick auf unserer Schiff, das wartend in der Bucht lag, in den Schnee setzten. Das ist es also, dieses Norwegen.

Am zweiten Tag stand die Insel Vanna auf dem Programm. Das Wetter blieb stürmisch, doch den Rentieren, die wir unterwegs trafen, schien das nichts auszumachen. Der weiche, cremige Frühjahrschnee motivierte uns nach einem ersten Aufstieg noch zweimal auf den 360 Meter hohen Stortind mit Ausblick auf die Küstenlinie zu steigen. Tag 3 verbrachten wir auf Ringvassoy und er zeigte sich wieder typisch norwegisch. Doch diesmal nahmen wir uns die Rentiere zum Vorbild, ließen uns nichts vom Wetter anhaben und bestiegen trotz Sturm und schlechter Sicht einen 1.000 Meter hohen Gipfel.

Norwegens weite Seele

Die Sonne war geizig mit ihren Strahlen während unseres dreitägigen Trips mit der MS Nordstjernen durch die norwegischen Fjorde und auch das Nordlicht bekamen wir nicht zu sehen. Bilder aus einem Touristenkatalog über Norwegen schauen definitiv anders aus – auf Hochglanz poliert und scheinbar perfekt. In etwa so wie der Ausblick aus dem Flugzeug, als ich zurück nach München fliege, sich die Schneeberge um Tromsø unter dem schönsten blauen Himmel präsentieren und ich beschließe auf jeden Fall zurück zu kommen. Und dennoch hätte unser Trip nicht perfekter sein können. Denn genau so ist Norwegen eben: Es hat eine wilde, wechselhafte und weite Seele. Und es ist so viel mehr und vielschichtiger als nur Sonnenschein und blauer Himmel.

Fotos: Konsta Linkola, Joonas Linkola, Mattias Larsson

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