Anna, Toni und Kaddi vom Bergfreundinnen Podcast von Bayern2

Frauen, die über Berge reden

Bergfreundinnen ist ein neuer Podcast für Bergfreundinnen und BergFREUNDE. Doch am Mikrofon sitzen nur BergfreundINNEN, und das ist auch gut so, findet Outville-Cheftexterin Kaddi Kestler. Kein Wunder, sie ist eine der drei weiblichen Podcast-Hosts. Eine nicht ganz uneigennützige Reinhörempfehlung (und eine unnötige Rechtfertigung).

Neulich habe ich nach berühmten Alpinistinnen gegoogelt. Die Suchmaschine fand meine Anfrage wohl etwas verwunderlich und fragte zurück, ob ich nicht eher „berühmte AlpinistEN“ meinen würde. Beflissentlich schlug mir Mr. Google direkt eine ganze Liste von Männern mit klingendem Namen inklusive Bild von einem meist bärtigen und zerfurchtem Antlitz vor. Aha, dachte ich mir, und ließ mich ein auf das Spiel. Ich tippte „berühmte Journalistinnen“ ins Suchfeld. Auch da war Google der Meinung, dass ich doch eher die männlichen Vertreter dieses Berufsstands meinen müsse und bot die ganz großen, ganz alten Herren an von Karl Marx bis Henri Nannen. Beim Suchbegriff „Mountainbikerinnen“ wehrte sich die Maschine ausnahmsweise mal nicht gegen die weibliche Form und lieferte mir direkt als zweiten Treffer äußerst interessante und passgenau auf mich zugeschnittene Lektüre: „Warum du eine Mountainbikerin als Freundin haben solltest.“ Auf Platz sieben versuchte mir Amazon ein Notizheft mit einer „sexy Mountainbikerin“ auf dem Cover zu verkaufen und als ähnliche Suchanfragen wurden mir „MTB Date“ und „MTB Dating“ vorgeschlagen.  

Warum mag Google Männer lieber als Frauen?

Nun gut. Man kann die Schuld, dafür, dass ich weder Gerlinde Kaltenbrunner noch Dunja Hayali noch Rachel Atherton fand, nur bedingt auf den Konzern aus dem Silikon Valley schieben. Natürlich hätte irgendein schlauer und hochbezahlter ITler (oder vielleicht eher eine ITlerIN?) der Maschine mal lernen können, dass jemand, der das deutsche Wort „Alpinistinnen“ eingibt, ziemlich sicher nicht Alpinisten meint, da dem allein der höhere Tippaufwand widerspricht. Google kann sich seine nichtnachgefragten Verbesserungsservice bei weiblichen Formen im Deutschen ziemlich sicher grundsätzlich sparen. Größer wäre die Verwechslungsgefahr sogar andersherum, nutzt die*der Durchschnittsdeutsche – und auch wir hier bei Outville – doch häufig aus Faul- und/oder Gewohnheit pauschal die männliche Form. Warum dieser ziemlich logische Schluss für die sonst so schlaue Maschine offenbar zu schwierig ist, muss ich wohl mal eine ITlerin fragen... Doch die Google-Trefferliste ist schlussendlich nur ein Spiegel unserer Gesellschaft. Es gibt schlicht und ergreifend mehr Artikel über berühmte Alpinisten, also werden sie als Regel angesehen und als das, was wahrscheinlicher gesucht wird.

Bergfreundinnen – der neue Bergpodcast

Überschrift, Artikelbild und Teasertext haben euch natürlich längst verraten, wo ich hin will mit dieser langen Vorrede. Ich möchte euch einen neuen Podcast vorstellen, an dem ich beteiligt bin: Bergfreundinnen. Ein Podcast von Bergfreundinnen für Bergfreundinnen und überhaupt alle, die die Berge lieben. Konzipiert und an den Start gebracht in einer Partnerschaft zwischen den Munich Mountain Girls und Bayern2 vom Bayerischen Rundfunk. Was der Podcast mit meiner Google Suche zu tun hat? Sehr viel. 

Zum Podcast-Start haben die beiden anderen Bergfreundinnen Antonia Schlosser,  Anna Hadzelek und ich sehr viele Interviews gegeben und in JEDEM wurde uns die Frage gestellt, warum es denn einen Bergpodcast für Frauen bräuchte. Dabei sind wir gar nicht darauf aus, einen Podcast NUR und ausschließlich für Frauen zu machen. Aber wir selbst sind nun mal Frauen und unsere Perspektive ist demzufolge eine weibliche, genau wie unsere Themen ab und an. Das macht dann, wenn es um Nachhaltigkeit geht, vielleicht nicht den großen Unterschied. Aber habt ihr in irgendeinem regulären Outdoor- oder Bergmedium schon mal was gelesen über Menstruation und Zyklus, und darüber wie sich beides auf Bergsport und Bergleben auswirkt?

Mehr Frauen auf die Titelseiten, vor die Kamera und an die Mikrofone! 

Frauen sind im Bergsport, aber vor allem im medialen Abbild dessen, nach wie vor unterrepräsentiert. Das zeigt nicht nur meine zugegebenermaßen wenig wissenschaftliche Google-Studie, sondern auch mein genauso wenig wissenschaftliches Durchblättern von Outdoor-, Berg- oder Mountainbike-Magazinen am Zeitschriftenkiosk und auch mein noch weniger wissenschaftliches (aber dafür ganz entspannendes) an-Servus-TV-beim-Zappen-Hängenbleiben. Sicherlich könnte ich auch Studien zu dem Thema anführen, aber warum, wenn die Sachlage SO OFFENSICHTLICH IST? Und warum werden eigentlich irgendwelche Männer-Kombos, die irgendwelche beliebigen Podcasts zu irgendwelchen beliebigen Themen machen, nie gefragt, warum diesen Podcast jetzt AUSGERECHNET NUR MÄNNER machen müssen?   

Ok, ok, ok, ich höre schon auf mit meiner Feminismus-Ansprache. Ich glaube, ihr habt meinen Punkt sowieso verstanden. Wir Frauen sind auch da. Auf der Welt, in den Büros, in den Chefetagen,  in den Bergen, auf den Mountainbikes, auf den Ski, am Fels. Egal wo, egal mit welchem Sportgerät, egal auf welchem Level. Und wir sind da eigentlich auch schon recht lange. Jetzt reden wir auch darüber, was uns da draußen und da oben so beschäftigt. Im Bergfreundinnen-Podcast. Und wir freuen uns, wenn ihr zuhört.  Egal, ob ihr eine BergfreundIN oder ein Bergfreund seid. 

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