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Lass dich von Wolken nicht runterziehen!

Wieso, weshalb, warum? Manchmal wendet sich das Blatt, die Wolken verziehen sich und man kommt der Antwort auf die großen Fragen des Lebens ein kleines Bisschen näher. Und das nur, weil man an einem Schlechtwetter-Tag aufsteht und rausgeht, so wie der spanische Fotograf und Outville-Kontributor Carlos Blanchard.
Text & FotosCarlos Blanchard

Wer bin ich?  Was mache ich? Wie tue ich es? Wann? Und vor allem: warum? Fragen, die mich immer begleiten – mal drängender, so sehr, dass sie quälend werden, mal nur als leises Hintergrundrauschen. Oft liefert meine Persönlichkeit, meine Erlebnisse und das, was ich daraus gelernt habe, die Antworten auf diese Fragen und Zweifel, bestimmt meine Einstellungen und Gefühle – und letztendlich auch, wie ich meinen Alltag meister. 

Mit meiner Fotografie will ich zeigen, dass der ganz normale Alltag geheimnisvoller ist, als wir uns vorstellen können oder als wir in der Lage sind wahrzunehmen. Oft ist es schwer, einfach weiter zu machen, wenn es mal schlecht läuft, wieder das Gleichgewicht und die Balance zu finden. Natürlich passieren Fehler, sie sind wichtig, wir lernen aus ihnen, entwickeln uns weiter und werden besser. 

Deswegen erinnere ich mich gerne an einen ganz bestimmten Moment – jetzt Vergangenheit, aber damals Gegenwart, jetzt Erfahrung, aber damals eine Vision: der Tag, als ich über den Wolken war – wortwörtlich und im übertragenen Sinn. 

Es war Anfang Januar und ich musste mich schon morgens aus dem Bett quälen. Ein guter Freund kam spontan vorbei und fragte mich, ob ich mit ihm Snowboarden gehe. Das Wetter war schlecht. Und ich hatte keine große Lust. Trotzdem habe ich mich überreden lassen und wir sind ins nächstgelegene Gebiet gefahren, auf die Seegrube bei Innsbruck.

Der Moment, als wir mit der Gondel die Wolkenschicht durchbrechen und sich ein großartiges Bergpanorama um uns herum auftut, änderte alles. Das Gefühl heute genau richtig entschieden zu haben, stimmt mich zutiefst zufrieden – wie einfach es doch manchmal sein kann. Wir genießen diesen unerwartet perfekten Tag in vollen Zügen.

Noch oft haben wir über diesen einen Tag gesprochen. Ich habe damals gelernt, dass ich mich von Wolken – wortwörtlich und auch im übertragenen Sinn – nicht runterziehen lassen darf. Denn zufrieden wird man vor allem, wenn man eine Situation annimmt wie sie ist und das Beste daraus macht. Jedes Mal, wenn wir raus an den Berg gehen, nehmen wir unsere Vergangenheit, das was wir bereits gelernt haben, mit – und kommen eine Erfahrung reicher zurück nach Hause. Und auch diese Erfahrung wird wiederum unsere Zukunft beeinflussen, wird ein Teil der Antwort auf die Fragen und Zweifel sein. 

Wer bin ich? Was mache ich? Wie tue ich es? Wann? Und warum? 
Mag sein, dass diese Erkenntnis nicht alle großen Lebensfragen – vor allem nicht die nach dem Sinn – beantwortet. Aber für mich, an diesem einen Tag über den Wolken, tat sie das.    

Übersetzt aus dem Englischen von Katharina Kestler

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