14 Motiviert ging es immer weiter bergauf

Trails, Tapas und Cerveza

Ihr habt Lust auf Trails durch dschungelartige Wälder, surreale Mondlandschaften oder einsame, alpine Gebirgszüge? Ihr habt kein Problem euer Rad auch mal zu tragen? Wenn ihr dann noch gerne Tapas esst, ist der einwöchige Trailtrip durch die Pyrenäen von „Flat Bucks Mountain Guiding“ genau das Richtige für euch! Ein ErFAHRungsbericht.

Eine Sommernacht im August. Die Grillen zirpen noch, der Himmel ist noch nicht ganz dunkel, als wir, fünf passionierte Bikerinnen und Bikern uns von Innsbruck auf den Weg Richtung Spanien machen. In Toulouse sammeln wir unsere spanische MTB-Guide-Legende Arturo sowie unseren Filmer Jens und Fotografen Max ein. Jetzt kann das Abenteuer Pyrenäen starten. Mit Bus und einem Anhänger beladen mit Enduro-Bikes geht es über Autobahnen und Landstraßen, bis wir endlich in Vielha im Valle de Áran gelegen ankommen. Genau hier beginnt unsere einwöchige Mountainbike-Reise durch die Pyrenäen. Arturos Geschichten über seine Bike-Abenteuer und ein Tisch voller leckerer Tapas stimmen uns auf die bevorstehende Woche ein. Die Vorfreude ist riesig.

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4 Auch Bus und Anhänger kämpften sich auf 1900 hm
2 Spanische Guide Arturo begleitete uns
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In Vielha starten wir am nächsten Tag mit unserem Bus in Richtung Arties, wo wir knapp 900 Höhenmeter bergauf überwinden müssen, bevor wir über eine kurze Cross-Country-Passage zu unserem ersten Highlight gelangen: einem schmalen Trail, der durch einen steinigen Tunnel führt. Mit Stirnlampen ausgerüstet rollen wir auf unseren Bikes gefühlt kilometerweit durch die Dunkelheit bis der Tunnel uns wieder ausspuckt. Flowige Trails bringen uns direkt zurück ins Tal in das Dorf Arties, wo wir unseren ersten Bike-Tag in einer Tapas Bar ausklingen lassen.

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Höhenmeter-Rallye am Refugio Cap de Llausset

An Tag zwei unseres Trips übernimmt unser Bus die ersten Höhenmeter für uns. Ab einer Höhe von 1.900 Metern geht es zu Fuß weiter – die Bikes auf dem Rücken. Der 500 Höhenmeter lange Aufstieg bis zum Refugio Cap de Llausset ist mühsam, aber die beeindruckend karge Landschaft mit vielen kleinen Seen und die Aussicht auf den nächste Trail lassen die Mühen fast vergessen. Aber auch nur fast. Denn wir spüren förmlich die Spuren, die unsere Enduro-Bikes auf unseren Schultern. Wie schön wäre jetzt eine Massage oder Sauna... Doch heute Nacht werden wir in einer Berghütte einchecken, die diesen Service wohl eher kaum anbietet. 

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1 Mit Bus und Anhänger kamen wir in Vielha an
5 Bei einer kurzen Abfahrt konnte man wieder Kraft zum Tragen sammeln
6 Mit dem Bike auf den Schultern ging es nun zum Refugio Cap de Llausset
8 Doch ein paar Steine wurden uns in den Weg gelegt
10 Refugio Cap de Llausset
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Wie auf dem Mond

Die Sonne geht hinter dem Bergkamm auf und schickt uns die ersten Strahlen durchs Hüttenfenster. Wir krabbeln aus den knarzenden Stockbetten, noch ziemlich müde von einer eher nicht so erholsamen Nacht. Jetzt muss als erstes ein starker Café con leche her. Gestärkt durch das Frühstück starten wir in die erste kurze Abfahrt des heutigen Tages, die recht schnell in einer schier endlosen Tragepassage endet. Diese ist es jedoch allemal wert, denn wir werden mit einem unendlich langen Trail belohnt, der sich durch eine spektakuläre Mondlandschaft mit grandiosen Aussichten zieht. Nach vielen Tiefenmeter auf teils sehr losem Untergrund spuckt uns der Trail staubpaniert in Cerles aus. Bei einem kleinen Dorf-Kiosk gönnen wir uns eine eiskalte Coke mit Patatas Fritas. Selten hat ein kohlensäurehaltiges Getränk so gut und erfrischend geschmeckt wie jetzt in der spanischen Mittagshitze. 

Wir chillen im Teambus und kürzen damit etwas den Transfer nach Benasque ab, unserem nächsten Ziel. Es ist die Homebase unseres Bike-Guides Arturo und er möchte uns dort natürlich die besten Downhill-Trails zeigen. Nach der letzten, eher spartanischen Nacht auf der Hütte checken wir heute in ein komfortables Apartment ein – ohne knarzende Betten! Wir verbringen einen lustigen Abend, essen den besten Tomatensalat aus der lokalen Tomate Rosa und fallen dann glücklich und zufrieden ins Bett – voller Vorfreude auf die Arturo-Trails.

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12 Ein kurzer Downhill bevor es so richtig bergauf ging
13 Eine lange Bike-Trage-Passage stand bevor
15 Geschafft
18 Mondlandschaft
19 Ein gefühlt unendlicher Trail stand uns bevor
20 Über losen Untergrund ging es Richtung Cerles
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Von alpinen Trails an der Punta d`Armena bis zu Strecken der Enduro World Series

Gerädert von der vergangenen Gewitternacht und mit minimal schweren Beinenstarteten wir am nächsten Morgen mit einem kurzen Downhill ehe es in den ersten langen Anstieg des Tages geht – hinauf zur Punta d‘Armena. Wieder heißt es für uns viele Höhenmeter bergauf schieben, doch die beeindruckende Landschaft mit den vielfältigen Ausblicken entschädigen für die Schinderei. Das spanische Wort cojonudo, was so viel bedeutet wie „Wahnsinn“ oder „unglaublich“, beschreibt diese Momente perfekt. Ein Trail führt uns zum See Ibòn de Plan, vorbei an Wanderern und Pferden geht es über einen steinigen Weg bis nach Saravillo. Dort fängt es wieder an leicht zu regnen. Zum Glück bringt uns der Shuttlebus zum Startpunkt für den letzten Trail am heutigen Tag. Die Abfahrt über nasse Steine und Wurzeln hinunter nach Bielsa erfordert viel Aufmerksamkeit und technisches Geschick. Am Trailende sammelt uns der Shuttlebus wieder ein und bringt uns nach Ainsa, wo wir die Nacht in einem komfortablen Altstadthotel verbringen werden. 

Am nächsten Tag stehen vier lässige Trails rund um Ainsa auf dem Tourenprogramm. Per Shuttlebus geht es jeweils zum Traileinstieg. Es ist alles dabei von Höhlentrails, über Trails durch eine graue Mondlandschaft (Tierra Gris) bis hin zu den Strecken, die Kennerinnen und Kenner aus der Enduro World Series, quasi der Weltmeisterschaft im Enduro-Biken, kennen.

Nach vielen kräftezehrenden Tiefenmeter lassen wir den großartigen Tag bei einem leckeren Abendessen und dem ein oder anderen Cerveza  in der Altstadt von Ainsa ausklingen.

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35 Jeder noch so zähe Anstieg zahlte sich aus
41 Spots, die man von der EWS kannte
42 Spektakuläre Aufnahmen
44 Die letzten Sonnenstrahlen des Tages
43 Der Trail führte direkt bei Ruinen vorbei
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Trails, Trails, Trails rund im Bielsa

Ziemlich erschöpft vom Vortag verschläft ein Teil der Gruppe und der andere Teil macht sich in Bielsa auf die Suche nach Frühstück. Getoastetes Brot mit Marmelade und Kaffee müssen vorerst reichen. Per motorisierter Aufstiegshilfe kürzen wir den ersten Teil des Aufstiegs ab, bevor es dann wieder Tragen heißt. Doch wie bisher jeden Tag lohnt sich die Schinderei und auch heute werden wir wieder mit einer überragende Aussicht belohnt. Die wilde Gebirgslandschaft ist mit violetten Blumen gesprenkelt. Arturo erzählt uns, dass sie giftig sind und man sie deshalb besser nur mit den Augen bewundert.

Die Abfahrt ist gespickt mit steinigen Abschnitten, schnell zu fahrenden Waldtrails und unzähligen, gut befahrbaren Spitzkehren. Am Stausee Embalse de Pineta, außerhalb von Bielsa, legen wir eine kleine Pause ein. Hier sei unbedingt das liebevoll hergerichtete Restaurant Kanguro Truchero empfohlen. Hier werden super leckere Burger, Currys und traditionelle spanische Gerichte serviert. Wir gönnen uns nur einen schnellen Cortado mit Eis, der uns den nötigen Energie-Push für die letzten 200 Höhenmeter bergauf und den finalen verblockten Trail zurück nach Bielsa liefert. 

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48 Ziel erreicht
47 Auch in Bielsa war das Panorma unbeschreiblich schön
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Kleiner Grenzverkehr nach Frankreich

Am letzten Tag unseres Pyrenäen-Abenteuers geht es per Shuttlebus Richtung französische Grenze. 700 Höhenmeter Bergaufschieben stehen uns heute bevor. Wir sind voller Elan und geben nochmals richtig Gas. Wie bereits in den letzten Tagen begegnet uns niemand – außer Kühe, Pferde und Schafe. Die lange Abfahrt im Nebel über Almwiesen endet im französischen Aragnouet. Nach einem kurzen Uphill über eine Asphaltstraße erreichen wir die von den Locals gebauten Trails. Drei Schwierigkeitsstufen – blau, rot und schwarz – stehen zur Auswahl. Wir probieren sie alle durch. Von Flow über Jumps bis Speed über steile Passagen – alles ist dabei. 

Klassisch für Frankreich gibt es zum Abschluss eine Quiche. Gut gelaunt, dezent erschöpft und auch ein wenig wehmütig verlassen wir mit unserem Shuttlebus das Land des Radfahrens und machen uns auf den Weg zurück nach Vielha, wo wir unser Mountainbike-Abenteuer vor einer Woche gestartet haben. 

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52 Der lange Trail talauswärts endete im französischen Aragnouet
54 Gemeinsam mit den Schafen machten wir uns auf den Weg zum letzten Trail
55 Auch zum Schluss ließen einzigartige Trails unsere Herzen höher schlagen
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Mit vielen Eindrücken, Gerüchen, Geschmäckern und unzähligen Trailerlebnissen geht es am nächsten Tag zurück nach Innsbruck. Was für ein cooler Trip!

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Hinter „Flat*Sucks Mountain Guding“ steht ein Team aus jungen, motivierten Bergführern und Bike-Guides, die ihre Leidenschaft für Bergabenteuer mit Gleichgesinnten teilen möchten. So bietet die Crew rund um Markus Emprechtinger im Sommer alles rund um das Thema Mountainbiken an, von Fahrtechnikkursen über Trailweeks auf Elba, in der Provence oder Georgien bis hin zu reinen Frauen-Camps. Im Winter dreht sich alles rund um das Thema Freeride und Skitouren, mit unterschiedlichen Kursen, Camps und Reisen.

max_draeger

Max ist in der Nähe von München aufgewachsen und entdeckte als Kind die Spielwiese Alpen. Skibergsteigen, Klettern, Bouldern, Wandern, Trailrunning, Mountainbiken – hauptsache hoch hinaus und schnell wieder bergab! Aus der Freizeitbeschäftigung wurde eine echte Leidenschaft und er verlegte seine Homebase an den Wilden Kaiser nach Tirol. Mit dem Wort „Job“ tut sich Max schwer – viel lieber spricht er von Berufung. Schon direkt nach dem Abi wählt er den Weg in die selbstständige Fotografie. Als professioneller Bergsport-, Lifestyle-und Reisefotograf bevorzugt er alpines Gelände, wo seine beiden Leidenschaften nahezu verschmelzen.

jens scheibe

Wenn Jens nicht grade im alten Land Rover auf dem Weg durch Afrika, mit dem Surfboard in Französisch-Polynesien oder mit dem Mountainbike auf norwegischen Trails unterwegs ist, findet man ihn meistens in Augsburg oder irgendwo in den bayerischen Alpen. Eine Mountainbike-Verletzungspause in der Jugend hat dazu geführt, dass er sich mit Papas alter Kamera beschäftigte und sie nie mehr aus der Hand legte. Deshalb ist er heute lieber als Surf-, Bike- und Outdoor-Fotograf und Filmemacher auf der ganzen Welt unterwegs, statt als Ingenieur bei BMW zu arbeiten, auch wenn seine Mama dann besser schlafen könnte. 

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